by Anonymous / Unidentified Author

Die Schifferin am Strande
Language: German (Deutsch) 
Sanft fließt im Golf die Welle
und glänzt im Sonnenblick,
der Himmel goldig helle,
doch Petro nicht zurück?

So harrt im bitter'n Harme
die Schifferin am Strand,
ihr jüngstes Kind im Arme,
das ält're an der Hand.

Pietro lenkt den Nachen
wohl sonst mit starker Faust,
ob Sturm und Donner krachen
und hohl das Meer erbraust.

Pietro, kehre wieder!
So irrt sie angstgepresst
am Ufer auf und nieder
und [drückt]1 die Kindlein fest.

Zwei volle lange Tage
irrt weinend sie umher,
versinkt in bitt're Klage
am dritten dumpf und schwer.

Die Sonn' im Meer versinket,
manch Ruder glänzet licht,
manch schwellend Segel blinket,
Lenore sieht es nicht.

Sie sitzt mit starren Blicken,
sieht nicht, wie wohlbekannt
auf blauem Meeresrücken
ein Leichnam treibt ans Land.

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1 Marschner, when repeated: "hält"

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Johann Winkler

This text was added to the website: 2021-08-19
Line count: 28
Word count: 124