Das Tarocko
Language: German (Deutsch) 
Kleine, die mit weisser Hand 
Mich zum Spieltisch winket, 
Wo dein Äuglein unverwandt 
Mir entgegen blinket, 
O wie selig, selig ist,  
Wenn dein loser Wink erkiest!   

Wem Cytherens Sohn verschmitzt 
So die Kärte mischet, 
Daß die traute Freundinn jetzt 
Alle Bilder sischet, 
Jetzt sein Herz noch oben ein: 
Selbst Verlust muß den erfreun!  

Zwar wär' ich, wie du, so reich, 
Kaiser von Marocko! 
Einer Kirchenratze gleich 
Würd' ich beim Tarocko! 
Geld, Verstand, und Muth, und Sinn,  
Alles, alles rafft es hin.  

Sieh, bein jedem Stiche fällt 
Mir ein wackrer Streiter; 
Vor- und Nachtrab, Knecht und Held, 
König, Dam' und Reiter; 
Alles, schöne Spielerin, 
Huldigt dir, als Königin.  

Aber meine ganze Schar, 
Meine Matadoren 
Sieggewohnten Phalanx gar, 
Magst du niederbohren; 
Dennoch stürmt ein Matador, 
Amor, deines Busens Flor.  
 
Nun, was lächelst du so süß, 
Reizendes Agneschen?
Ach!  es galt dem Gaukler Skies
Mit dem bunten Höschen!  
Liebreich faßt sie, blickt ihn an.  
Glücklich bist du, kleiner Mann! 

Glücklick bist auch du, Bachat,
Wenn sie triumphierend, 
Trotz der Hinterlist im Skat,
Dich, behend' entführend,
Drückt an ihre weiche Brust,
Doch des Glücks dir nicht bewußt. 

Führe mich, Agneschen, heim! 
Ha!  wie heiß umfassen  
Will ich dich, im Honigseim
Deiner Lippen prassen,
Schmiegen mich an deine Brust,
Meines Glücks mir wohl bewußt!  

Confirmed with Adolf Julius, Freiherr Laur von Münchhofen, Lyrische Anthologie, dreizehnter Theil, Zürich: Orell, Füssli & Compagnie, 1806, pages 20 - 22.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2017-08-14
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