by Rudolph Baumbach (1840 - 1905)

Die blaue Blume
Language: German (Deutsch) 
Es pflogen einst drei Knaben
Der Ruh' im Waldesraum.
Die Wipfel rauschten droben, 
Da hat sie sacht umwoben 
Der Schlaf mit einem Traum.

Im Traume sah'n sie blühen 
Die Blume himmelblau,
Von der die alten Geschichten
Der Wunder viel berichten;
Sie glänzte im Morgenthau.

Da fuhren aus dem Schlummer
Die Knaben allzumal.
Sie thäten sich trennen und suchen 
Im Schatten der Tannen und Buchen,
Auf Bergen und im Thal.

Der erste von den dreien 
War wohl ein Sonntagskind.
Er fand in hohler Weide 
Ein Kästlein mit Geschmeide;
Das trug er heim geschwind.

Und liess ein Schloss sich bauen,
Und alles Land umher 
Erscholl von seinem Ruhme. -- 
Der blauen Wunderblume 
Gedacht' er nimmermehr.

Der Zweite statt der Blüthe
Ein nussbraun Mädel fand.
Umrauscht von grünen Zweigen
Ward sie im Wald sein eigen
Und gab ihm Herz und Hand.

Er führte seine Traute 
Zum frohen Hochzeitsreih'n 
Und zeugte Mädel und Buben 
Und baute Kohl und Ruben,
Liess Blume Blume sein.

Der Dritte, ach der Dritte 
Kam nimmermehr nach Haus.
Er sucht die Blume noch heute,
Und sehen ihn die Leute,
So lachen sie ihn aus.

Authorship:

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2009-09-29
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