An dem stillen Felsen‑Hange
Language: German (Deutsch) 
An dem [stillen]1 Felsen-Hange, 
In der einsam-hohlen Gassen, 
Die Sie lieben muß und hassen, 
Wo Er, scheidend, Sie verlassen, 
Sitzt die Jungfrau lange  --  lange;  --  
Und der Fels selbst an der Straßen 
Seufzet:  "Lange!"  

Da eilt Sie zu Ufer-Stegen, 
Ruft den Wellen, ruft den Nachen 
Von der schnellen Fluth getragen, 
Ihre Bitten, ihre Klagen: 
"Ihr bringt mir ihn nicht entgegen?!" 
Wellen, murmelnd, weiter jagen: 
"Nicht entgegen!!"  

In der Haine dichte Hallen 
Nun, wo Zweige, flüsternd, rauschen,  
Wipfel, wiegend, Worte tauschen, 
Geht Sie Geister-Bäumen lauschen; 
Flüstert mit:  "ihr hört nichts hallen?"  
Und all' die Dryaden rauschen: 
"Hör'n nichts hallen!"  

Auf die Höh'n zur Abendstunde 
Klimmet Sie mit matten Füßen, 
Muß die Wolken, die hier küssen 
Steile Felsen, alle grüßen: 
"Bringt von Ihm ihr keine Kunde?" 
Lüfte, jammernd, wieder grüßen: 
"Keine Kunde!"  

Jetzt durch Wolken plötzlich scheinen 
Sterne, die sich freundlich neigen 
Aus des Äthers Flammen-Reichen, 
Und Sein liebes Bild Ihr zeigen.  --  
"Ihr wollt ihm mich ewig einen?!" 
Hell' strahlt's  --  und die Erden weichen  --  
"Ewig einen!"

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Confirmed with Georg Friedrich Konrad Ludwig Gerstenbergk,Phalänen, Leipzig: J. F. Gleditsch, 1817, pages 119 - 120.

1 Häser: "steilen"; further changes may exist not shown above.

Authorship:

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2020-05-25
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