Belinde
Language: German (Deutsch) 
Alexis weidet stets allein 
Im Busch am Felsenbach,
Und eilet in den tiefsten Hain, 
Folgt ihm ein Schäfer nach.

Dort rührt ihn nicht der Sänger Lied, 
Verschlossen ist sein Ohr;
Dort seufzt er, daß Belind' ihn flieht,
Den Espenbäumen vor. 

Glaubt er weil ihm mein Auge nicht 
Was ich empfinde klagt, 
Ich wäre kalt und fühlte nicht,
Hätt' ihm mein Herz versagt?

O mein Alexis! wüßtest du,
Was hier im Busen schlägt! 
Wer mir in Nächten ohne Ruh 
So manchen Traum erregt! 

Sagt' ihm, ihr Bäum' am Wasserfall,
Daß ihn Belinde liebt. 
Vertrau es ihm, o Nachtigall! 
Daß ihn sein Mädchen liebt.

Doch sagt ihm ja nicht, wessen Mund 
Euch diese Botschaft lieh;
Vor Scham verging' ich, würd' es kund,
Vor Scham säh' ich ihn nie.

Confirmed with Karl Wilhelm Ramlers Lyrische Blumenlese, VI. VII. VIII. und IX. Buch, Carlsruhe, bey Christian Gottlieb Schmieder, 1780, page 337; no author is given in this publication, but a variant of this poem, titled "Chloe", appeared later by Karoline Christiane Louise Rudolphi. See below.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Another version of this text exists in the database.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2018-07-04
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