Abend‑Phantasie
Language: German (Deutsch) 
Schönster aller schönen Tage,
Dem ich ewig dankbar bin,
Heil dir! mein Entzücken trage
Dich zum Abendlande hin! 

Denn in meinem trunknem Blicke
Schwimmt der Liebe Seligkeit,
Und ich ahnde meinem Glücke
Goldne Frucht der bessern Zeit.  

Dorten war es, wo im Kühlen
Mein Göttergleiche saß,
Und versunken in Gefühle
Um sich her die Welt vergaß. 

Schüchtern naht' ich mich, und küßte
Meine Seel' auf ihre Hand;  
Da, als ob sie Frevel büßte,
Blickte sie auf's Busenband, 

Und der Liebe Thränen bebten
Die entglühte Wang' herab.
Engel, die den Hain umschwebten, 
Küßte ihr die Thränen ab;  

Und ihr Lispel, der dem Winde
Schöner Sommernächte glich,
Sprach mir in das Herz:  Selinde,
Ist besiegt, und liebet dich!

Confirmed with Gedichte von Joseph Friederich Engelschall, Marburg und Leipzig: in Kommission der neuen Akademische Buchhandlung, 1788, pages 47 - 48.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2017-09-19
Line count: 24
Word count: 116