Im Garten
Language: German (Deutsch) 
Hör' ich das Pförtchen nicht gehen?
Hat nicht der Riegel geklirrt?
Nein, es war des Windes Wehen,
Der durch [die]1 Pappeln schwirrt.
Sie konnte mir kein Wörtchen sagen,
Zu viele Lauscher waren wach;
Den Blick nur durft' ich schüchtern fragen,
Und wohl verstand ich was er sprach.
Leis' [komm']2 ich her in deine Stille,
Du schön belaubtes Buchenzelt,
Verbirg in deiner grünen Hülle
Die [Liebenden]3 dem Aug' der Welt!

Hat's nicht gerauscht an den Gattern?
Hört ich nicht drehen am Schloß?
Nein! Es war des Vogels Flattern,
Der zum Neste raschelnd schoß. 
Dass ja die Menschen nie es hören,
Wie treue Lieb' uns still beglückt!
Sie können nur die Freude stören,
Weil Freude nie sie selbst entzückt.
Die Welt wird nie das Glück erlauben,
Als Beute wird es nur gehascht,
Entwenden musst du's oder rauben,
Eh dich die Missgunst überrascht.

Hör ich nicht läuten die Schelle?
War's nicht die Tür, die klang?
Nein, es war nur die Forelle,
Die im Weicher [sic] plätschernd sprang.
Leis auf den Zehen kommt's geschlichen,
Die Stille liebt es und die Nacht,
Mit schnellen Füßen ist's entwichen,
Wo des Verräters Auge wacht.
O schlinge dich, du sanfte Quelle,
Ein breiter Strom um uns herum,
Und drohend mit empörter Welle
Verteidige dies Heiligtum.

View original text (without footnotes)
Note: this text is made up of pieces from the following poems by Schiller: Das Geheimnis and Die Erwartung. Some small sections may be by Zelter or someone else.
1 Zelter: "diese"
2 Zelter: "schleich"
3 Zelter: "Glücklichen"

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

Text added to the website: 2009-04-15 00:00:00
Last modified: 2017-10-11 12:39:24
Line count: 36
Word count: 207