by Joseph Mendelssohn (1817 - 1856)

Kommt ein schlanker Bursch' geschritten
Language: German (Deutsch) 
Kommt ein schlanker Bursch' geschritten, 
In der Hand den Wanderstab, 
Leicht gebräunt sind seine Wangen, 
Weiche, blonde Locken hangen 
Auf den nerv'gen Hals herab. 

Klarer, als die Maiensonne, 
Glänzt sein Auge, keck und blau, 
Purpurn, wie die wilden Rosen, 
Die am Weg mit Bienen kosen, 
Wölbt sich seiner Lippen Bau. 

Und er bietet mir die Rechte 
Traut zum Freundschaftsgruße dar:  
Unter schlichten Wandersleuten 
Braucht's nicht lauer Höflichkeiten, 
Denn die Hand spricht kurz und wahr. 

"Ziehst wohl weit auf Deiner Straße, 
Sprich, mein wackerer Kumpan?" 
--  "Ach, wohl weit der Himmel blauet 
Und wohl oft der Abend grauet, 
Bis durchwandert ich die Bahn." 

--  "Suchest wohl des Glückes Lächeln, 
Funkelnd Gold und Liebestand?" 
--  "Bin nicht,"  spricht er,  "so vermessen, 
Suche Trost nur und Vergessen, 
Fern von meinem Vaterland."

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Confirmed with Joseph Mendelssohn, Wilde Blumen. Dichtungen von Joseph Mendelssohn, Leipzig: Ph. Reclam jun., 1843, pages 9 - 10. Appears in Wanderbilder.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

  • by Alexander Wolf , "Kommt ein schlanker Bursch", op. 4 (Vier Gesänge für dreistimmigen weiblichen Chor (oder drei Solostimmen)) no. 3, published 1890 [ three-part women's chorus or vocal trio for female voices with piano ], Karlsruhe, Schuster [sung text not yet checked]

Researcher for this text: Melanie Trumbull

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