Der Wanderer
Language: German (Deutsch) 
Ein Wandersmann durchzieht den Wald,
der Regen fällt, die Luft ist kalt,
ihn treibt es immer fort zur Ferne,
und möchte bleiben doch so gerne.

Noch hat er nicht den Weg vollbracht,
da nahet schon die Mitternacht;
in dunkeln Waldes stiller Mitte
steht eines Totengräbers Hütte.

Er klopfet an die morsche Tür:
„Kann diese Nacht ich ruhen hier?“
Doch keine Antwort will ertönen,
nur tiefe Seufzer, leises Stöhnen.

Zum zweiten Male klopft er an,
ob jetzt ihm werde aufgetan;
da wird es still, und alles schweigt,
am Fenster sich der Gräber zeigt.

„Wer klopft so spät an meine Tür,
wer kommt um Mitternacht zu mir?“
„Es ist ein armer Wandersmann,
der müd' und matt nicht weiter kann.“

Der Gräber lässt den Müden ein,
sein Lager ist ein schwarzer Schrein,
und mit dem nächsten Morgenrot
fand man im Wald den Wand'rer tot.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Johann Winkler

This text was added to the website: 2020-09-05
Line count: 24
Word count: 141