by Hugo Salus (1866 - 1929)

Der seltsame Abend
Language: German (Deutsch) 
Als ich abends in meine Stube kam,
Aus den Feldern den Mondschein nach Hause nahm,
Sie hatten mir alle Fenster geschlossen,
Ich aber war ganz von Mondlicht umflossen.

Und da hängt ich den Rock an den Nagel hin,
Und der ganze Mondschein war noch darin,
Und er schien mir noch immer bläulich zu flimmern
Und noch aus dem Dunkel silbern zu schimmern.

Ich strich drüber hin: meine Hand ward weiß!
Und um mich her ein silberner Kreis.
Ich öffne das Fenster und da kam es in Massen,
Das Zimmer konnte das Licht gar nicht fassen.

Ich atmete tief. Da war die Luft
Ganz voll mit einem seltsamen Duft,
Und ich wußte gleich, beglückt und beklommen,
Solcher Duft kann nur aus den Mondgärten kommen.

Und da trat noch die Magd in die Stube herein
Und sagte, sie hätte im Mondenschein
Nur eben den Krug aus dem Bronnen gehoben,
Und er wäre mit Talern gefüllt bis oben!

Da ging ich mit ihr in den Garten, zu sehn,
Was da wieder für ein Wunder geschehn:
Und da war wirklich das Wasser drunten im Bronnen
Zu lauter flüssigem Silber geronnen!

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

Text added to the website: 2011-10-22 00:00:00
Last modified: 2014-06-16 10:04:39
Line count: 24
Word count: 186