Nornengesang
Language: German (Deutsch) 
Chor:
Wir weben mit Blut, wir weben mit Flammen,
wir weben die wogende Männerschlacht;
wir sind des Geschicks urmächt'ge Gewalten,
frei über die Lose des Kampfes wir walten.
Die Feuerfluten, sie schlagen zusammen,
und unser Gewebe wird Tod und wird Nacht.
Wir sind des Geschicks urmächt'ge Gewalten,
den Frevler vernichtet der Rache Gericht;
frei über die Lose des Kampfes wir schalten,
und was wir gesponnen, bringt Odin ans Licht.

Solo:
Auf Odins mächtigen Befehl 
kommt Untergang den Nibelungen:
Für alte Sünde, alten Fehl
habt ihr euch grausen Tod errungen;
denn Sigurds Blut zum Himmel schreit,
und Sigurds Tod ist nicht gerächt.
Kriemhild dem Untergange weiht
der Brüder listiges Geschlecht.
Aber Odin erforscht jeglichen Rat
und straft und sühnet die frevelnde Tat:
Als Sigurd fiel, hat er Hagen gelobt,
er falle im Streit nicht, der fürchterlich tobt.
Ein Weib ergreift ihn beim wallenden Haare
und trennt ihm das Haupt, dem gefesselten Mann;
so tritt ihn die Not, die entsetzliche, an,
damit er der Götter Gewalten erfahre.

Chor:
Hagens Tod 
blutig rot
weben wir in dies Gewand,
das ihn bald, ja bald umspannt!
Grässlich, ach,
Gunthers Schmach
weben wir in unser Tuch:
Nibelungen Tod und Fluch!

Solo:
Und Kriemhild, trauernd schwer um den Gemahl,
ersinnt sich Tod für seine Mörder all'.
Die Brüder lädt sie listig zu sich ein,
erfüllt an ihnen Odins streng' Gericht!
Doch innen, in dem innersten Gemach
ertönt ihr Lied um ihren Sigurd also:
„Dich hab' ich besessen so kurze Zeit,
das klag' ich von nun an in Ewigkeit.
Mein junger Gemahl, du musstest hinab
so früh, ach so früh in das finstere Grab!
Ich weine, ich weine um deinen Tod,
und meine Tränen sind blutigrot.
Sie sinken als Saat in die Erde hinab
und graben den Brüdern ein schmähliches Grab!
Mein Sigurd, dich lieb' ich, dich hab' ich geliebt;
noch jetzt dein Tod mir das Auge trübt.
O könnt' ich, o könnt' ich doch sinken hinab
an deine Seite, Geliebter, ins Grab!”

Chor:
Trau're nicht, dein Leid wird enden,
bald gerächt ist Sigurds Tod,
denn mit unser'n fleiß'gen Händen
weben wir den Mördern Not!
Wir weben mit Blut, wir weben mit Flammen,
wir weben die wogende Männerschlacht;
wir sind des Geschicks urmächt'ge Gewalten,
frei über die Lose des Kampfes wir walten.
Die Feuerfluten, sie schlagen zusammen,
und unser Gewebe wird Tod und wird Nacht.
Wir sind des Geschicks urmächt'ge Gewalten,
den Frevler vernichtet der Rache Gericht;
frei über die Lose des Kampfes wir schalten,
und was wir gesponnen, bringt Odin ans Licht.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Johann Winkler

This text was added to the website: 2020-06-18
Line count: 71
Word count: 415