by August Schnezler (1809 - 1853)

Es hielten einst die Katzen
Language: German (Deutsch) 
Es hielten einst die Katzen 
Ein groß Concilium, 
Auf ein paar alten Matrazzen
Setzen sie sich herum. 

Sie schnitten einander Fratzen
Voll süßer Höflichkeit,
Und fingen an zu schwatzen
Von der schweren Noth der Zeit.

Sie schwatzen von den Strapatzen,
Die sie schon mitgemacht,
Und von den Mäusen und Ratzen
Die sie schon umgebracht.

Sie schwatzen von ihren Hatzen
Und mancher verwegenen Jagd,
Von Rauben und Brandschatzen 
An mancher Küchenmagd, 

Und miteinander satzen 
Sie froh sich dann zu Tisch: 
Da gab es Mäuse und Spatzen, 
Hühner, Wildbrät und Fisch; 

Zum Dessert Judenmatzen, 
Und Häringslak' als Wein; 
Die Katzenköpfe platzen 
In die Toaste drein.  

Es schwören alle Katzen 
Sich unverbrüchliche Treu', 
Und brüderlich verschmatzen 
Sie sich die Schnauzen dabei; 

Und heben ihre Pratzen 
Zum feierlichen Eid: 
Zu schmeicheln und zu kratzen 
In alle Ewigkeit.  

Doch bald vergaßen die Katzen 
Im Rausche der Einigkeit, 
Und fingen an zu schwatzen 
Gar manche Anzüglichkeit.

Da wurden die Sammettatzen
Zu lauter scharfen Klau'n, 
Da wandelte sich das Schmatzen 
In gräuliches Schlachtmiau'n. 

Da gings an ein Hauen und Kratzen, 
Da wechselten Biß und Hieb, 
Bis jede von den Katzen  
Todt auf dem Schlachtfeld blieb. 

Da tanzten und pfiffen die Ratzen 
Gar froh um die Leichen herum  --  
So endete bei den Katzen 
Das große Concilium. 

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Confirmed with August Schnezler, Gedichte, dritte vermehrte Ausgabe, Karlsruhe: Wilhelm Creuzbauer, 1852. Appears in Humoristichen Dichtungen, pages 195 - 197.

Note: "Matrazzen" is normally spelled "Matratzen" and "Strapatzen" is normally spelled "Strapazen".


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

Text added to the website: 2020-02-02 00:00:00
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