Andenken
Language: German (Deutsch) 
Was soll ich dir beim Abschied schenken?
Ein Bildchen? Nimm's zum Angedenken,
Und leg' es, um dir lieb zu sein,
Zum täglichen Gebetchen ein.

Wirst du's aus Andacht öfter küssen,
Was fromme Mädchen täglich müssen,
So gilt vielleicht ein Küsschen mir, 
Auch das empfind' ich fern von dir.

Oft wirst du trauernd mich beklagen,
Und, wie mir's geht, das Bildchen fragen,
Dann blick'es einem Engel gleich
Auf dich, an Trost und Segen reich.

So lebe, Liebchen, wohl; ich scheide,
Oh! fühltest du, was ich jetzt leide,
Die Stimme bricht, es wankt der Fuss,
Kann ich nicht bleiben! Nein, ich muss.

So hat's die Pflicht entschieden,
Mein Schicksal reisst mich hin nach Süden,
Doch scheidet nie mein Herz von hier,
Im Bildchen bleibt es stets bei dir.

Scheint uns des Wiedersehens Sonne,
So drückt sich Herz an Herz mit Wonne,
Und neu versiegelt Mund an Mund,
Mit treuem Kuss den alten Bund.

Dann wird im seligsten Empfinden
Der Liebe jeder Tag entschwinden:
Ich leb' in dir, du lebst in mir,
Und Sinn und Herz eint sich in ihr.

Doch hörst du dass ich nicht mehr lebe,
Und schon um dich verkläret schwebe,
so fällt vielleicht ein Tränchen hin.
Auf's Bildchen; dass ich nicht mehr bin.

Dann magst du zärtlich hingerissen
Aus Wehmut oft das Bildchen küssen,
Und küssen, bis es nicht mehr ist,
Und du bei mir auch drüben bist.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Johann Gaitzsch

This text was added to the website between May 1995 and September 2003.
Line count: 36
Word count: 229