Um Mitternacht
Language: German (Deutsch) 
Auf deines Hauses kühlem Schwellenstein, 
Von zweier Bäume Laubwerk überdacht,
Da sitz' ich ernst und still gedankenvoll 
    Um Mitternacht.

Die Frühlingserde dämmert vor dem Blick,
Fern prangt der Wald in frischer Blättertracht,
Nah liegt der mondbeglänzte tiefe Teich
    Um Mitternacht.

Rings schallt der Nachtigallen volles Lied, 
Ein Schwanenpaar zieht Kreise träumend sacht,
Auf leisbewegter Luft webt Klang und Duft 
    Um Mitternacht.

Und alles strebt zum klaren Himmel hin,
Er dehnt sich groß in Mond- und Sternenpracht, 
Die Erd' umgebend, die sich zu ihm sehnt, 
    Um Mitternacht.

Da träum' ich, daß ich Erd', du Himmel bist! 
Was lebt und webt in meinem Geist entfacht,
Das sammelt sich in dir, mein Himmel du, 
    Um Mitternacht!

Confirmed with Dichtungen eines Rheinischen Poeten, Band 1: Mein Herz ist am Rheine. Liederbuch von Wolfgang Müller von Königswinter, Vierte vermehrte und verbesserte Auflage, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1871, p. 143.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

Text added to the website: 2013-12-13 00:00:00
Last modified: 2014-06-16 10:05:19
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Word count: 113