by Gottfried August Bürger (1747 - 1794)
Der Sprung
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Language: German (Deutsch)
Ein niedlich Schäfermädchen stand Am klaren Wiesenbache. Ein Luftsprung auf den andern Rand War keine leichte Sache. Breit war der Bach, und schoß geschwind' Durch krumme tiefe Pfade; Drum zögerte das arme Kind So schüchtern am Gestade. Ich kam in meiner grünen Tracht Aus hohen Haselbüschen, Und wollt', ermüdet von der Jagd, Am Bache mich erfrischen. Es schien, als ob in dieß Revier Mich jetzt ein Engel brächte. - Ihr Auge hat mich, daß ich ihr Hinüber helfen möchte. Bald weckte ihre kleine Noth Mein höfliches Erbarmen; Ich hob sie auf, leicht, wie ein Loth, Mit frischen, starken Armen. Vertraut um meinen Nacken schlang Das Mädchen seine Hände. Und ich, im Amor's Namen, sprang Mit ihr zum andern Ende. Dank sey dir, Amor, immerdar! Du gabst mir Riesenstärke, Und liehest mir dein Flügelpaar Zu diesem Liebeswerke. Wer immer so befiedert wär', Dem müßt' es leicht gelingen, Sich tausend Meilen über's Meer Nach Indien zu schwingen!
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Researcher for this page: Malcolm Wren [Guest Editor]
Confirmed with Taschenbibliothek der vorzüglichsten deutschen Dichter, insbesondere der lyrischen. Zweites Bändchen. Bürgers Gedichte. Erster Theil Stuttgart, bei A. F. Macklot. 1822 pages 257 - 258
Text Authorship:
- by Gottfried August Bürger (1747 - 1794), "Der Sprung" [author's text checked 1 time against a primary source]
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