by Rudolph Baumbach (1840 - 1905)
Die versunkene Stadt
Language: German (Deutsch)
Fernher tönte Cicadensang, Wind und Wellen ruhten, Selten ein silbernes Fischlein sprang Über die schweigenden Fluthen. Glimmende Funken der Sonnenball Über das Wasser verstreute. -- Horch, da drang aus der Tiefe ein Schall Leise wie Glockengeläute: Kling, klang, kling, klang, Versunken, versunken, wie lang, wie lang! Liegt eine Stadt Jahrhunderte lang Bergetief unter den Wogen. Muscheln, Korallen und schlüpfriger Tang Haben die Mauern umzogen. Zinnen und Thürme streben empor Hoch auf dem sandigen Grunde. Selten gibt leiser Glockenchor Von der Verschollenen Kunde. Kling, klang, kling, klang, Versunken, versunken, wie lang, wie lang! Ruhend unter dem Segeldach Lauscht' ich dem Ton aus den Tiefen. Alte Märchen rief er mir wach, Die in der Seele mir schliefen. Was mir gesungen der Ahne Mund Abends bei Spindel und Rocken, Klingt mir jetzt aus des Herzens Grund Leis wie versunkene Glocken. Kling, klang, kling, klang, Gesungen, verklungen, wie lang, wie lang!
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Confirmed with Von der Landstrasse. Lieder von Rudolf Baumbach, drittes Tausend, Leipzig: A. G. Liebeskind, 1882, pages 70 - 71.
Text Authorship:
- by Rudolph Baumbach (1840 - 1905), "Die versunkene Stadt ", appears in Von der Landstrasse. Lieder., Leipzig: A. G. Liebeskind, first published 1882 [author's text checked 1 time against a primary source]
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