by Friedrich von Schiller (1759 - 1805)
Einer jungen Freundin in's Stammbuch
Language: German (Deutsch)
Ein blühend Kind, von Grazien und Scherzen Umhüpft, so Freundin spielt um dich die Welt. Doch so, wie sie sich mahlt in deinem Herzen, In deiner Seele schönen Spiegel fällt, So ist sie nicht. Die stillen Huldigungen, Die deines Herzens Adel dir errungen, Die Wunder, die du selbst gethan, Die Reize, die dein Daseyn ihm gegeben, Die rechnest du für Reize diesem Leben, Für schöne Menschlichkeit uns an. Dem holden Zauber nie entweyhter Jugend, Dem Talismann der Unschuld und der Tugend, Den will ich sehn, der diesem trotzen kann. Froh taumelst du im süßen Ueberzählen Der Blumen, die um deine Pfade blühn, Der Glücklichen, die du gemacht, der Seelen, Die du gewonnen hast, dahin. Sey glücklich in dem lieblichen Betruge, Nie stürze von des Traumes stolzem Fluge Ein trauriges Erwachen dich herab. Den Blumen gleich, die deine Beete schmücken, So pflanze sie – nur den entfernten Blicken; Betrachte sie, doch pflücke sie nicht ab. Geschaffen, nur die Augen zu vergnügen, Welk werden sie zu deinen Füßen liegen. Je näher dir, je näher ihrem Grab!
Confirmed with Musen-Almanach für das Jahr 1796, 1. Auflage, Neustrelitz: Michaelis, 1796, pages 36 – 37
Text Authorship:
- by Friedrich von Schiller (1759 - 1805), "Einer jungen Freundin ins Stammbuch" [author's text checked 1 time against a primary source]
Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):
- by W. Böck , "Einer jungen Freundin in's Stammbuch", op. 53, published 1877 [ voice and zither ], in the collection Liederkranz. Sammlung beliebter Lieder für 1 Singstimme mit Zither ; Trier, Hoenes [sung text not yet checked]
Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]
This text was added to the website: 2026-06-26
Line count: 26
Word count: 174