Es steht eine Weide am Ammersee; Die taucht ihr Gezweig in die Fluthen. "Ade, goldhaariger Schatz, ade! Nun gilt's für den König zu bluten. Traut war es zu kosen, Boot an Boot, Wenn die Wasser [rauschten]1 im Ammersee, Und über ein Jahr, wer weiß, bin ich todt -- Ade nun, mein Schatz, ade!" Sie fuhren noch einmal den See entlang Wohl unter die flüsternde Weide, Die Herzen so weh, die Herzen so bang -- Sie kos'ten in Lust [und in]2 Leide. Ab stieß er den Nachen -- er schwenkte den Hut: Da [rauschten]1 die Wasser im Ammersee. "Dem König gehorcht ein Soldatenblut -- Ade nun, mein Schatz, ade!" Und über ein Jahr ein [Reitergrab Liegt]3 einsam auf fremder Haide. Es [neigt]4 die Zweige darüber herab Eine wilde, verwachsene Weide; Sie seufzt in die [Winde]5 -- die tragen es fort, Und die Wasser rauschen im Ammersee: "Dein Liebster, der schlummert am Haideort -- Ade nun, mein Schatz, ade!" Eine Weide, die steht am Ammersee, Sie taucht ihr Gezweig in die Fluthen; Es thut wohl kein Herzeleid so weh, Als um Liebe, um Liebe verbluten. Nun schimmert's herauf alabasterweiß Durch die rauschenden Wasser im Ammersee: "Goldhaarige Stirn, wir umplätschern dich leis -- Ade nun, mein Schatz, ade!"
opus 4
by
3. Am Ammersee  [sung text not yet checked]
Language: German (Deutsch)
Text Authorship:
- by Ernst Ziel (1841 - 1921), "Am Ammersee"
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View text without footnotesConfirmed with Die Gartenlaube. Illustrirtes Familienblatt, 26. Jahrgang, ed. by Ernst Keil, Leipzig: Verlag an Ernst Keil, 1878, issue no. 1, page 13.
1 Kamm: "rauschen"2 Kamm: "und"
3 Langer: "Reitersgrab / Steht"
4 Kamm: "neiget"
5 Langer: "Lüfte"
