Ich hab' im Traum die Prinzessin geseh'n. Im Winde wehten die Locken, die Stirne glänzte wie Schnee so weiß, den Atem fühlt' ich stocken. Sie sah mich an und lächelt' mir zu. O Märchen, kannst du nicht sprechen? Da neigt' sie das Haupt, und Tränen sah ich aus dem Auge ihr brechen. O lass' dich küssen ein einzig Mal! Mich fasst' ein schauriges Bangen, sie streckte die Arme verlangend aus - und ist in Nichts zergangen! Ich hab' im Traum die Prinzessin geseh'n und kann sie nimmer erlösen; nun bin ich Armer die längste Zeit ein glücklicher Mann gewesen!
Zwei Lieder für Sopran mit Pianoforte , opus 14
by Ludwig von Erlanger (b. 1862)
1. Traumbild
Language: German (Deutsch)
2. Kuckucksruf
Language: German (Deutsch)
Drei Mädchen gingen im grünen Wald, sie hörten den Kuckuck schreien. Die erste frug ihn mit Lachen: „Wie bald kommt ein Ritter, um mich zu freien?“ Die zweite erglühte in wonnigem Glück, sie sah in ein sonniges Leben, und sie fragte den Kuckuck: „Wann kehrt er zurück, dem ich mich zu eigen gegeben?“ Die dritte hatte sich abgewandt und presste aufs Herz die Hände; sie dacht' an ein Grab im Franzosenland und fragte: „Wann geht es zu Ende?“ Der Kuckuck tat noch einen Schrei und flog zum dunkleren Walde; da freuten die Mädchen sich alle drei: Nur ein Jahr, das ist ja so balde!
