Gesänge und Lieder einheimischer Dichter für Kenner und Liebhaber

by Karl Hanke (1750 - 1803)

Word count: 2203

. Pfingstreihen [sung text not yet checked]

Tanzt, Paar und Paar, den Ringeltanz
Am schönen Tag nach Pfingsten,
Bei Saitenklang' im Blumenkranz,
Ihr bräutlichsten und jüngsten!
  Das Thal is bunt und weich;
  Es glänzt der blaue Teich;
Rings blühet Baum, und blüht Gesträuch!

Alle.
    Im Maien, 
    Am Reien,
  Da freun, da freun
  Sich hüpfende Knaben und Mägdelein!

Es raste Pflug und Egge heut',
Es raste Hark' und Spaden! 
Uns hat die schöne Sommerzeit 
Zum Pfingstbier eingeladen! 
  Der Bursche, der im Ritt 
  Den Flimmerkranz erstritt,
Der tanzt voran, sein Liebchen mit!

Alle.
    Im Maien,
    Am Reien,
  Da freun, da freun
  Sich hüpfende Knaben und Mägdelein!

Heut' warten Greis' und Hunde nur 
Des Viehs auf grüner Weide;
Doch trieben sie zur nächsten Flur,
Und horchen unsrer Freude.
  Der Wälder Wiederhall 
  Antwortet überall,
Und froher schlägt die Nachtigall.

Alle.
    Im Maien, 
    Am Reien,
  Da freun, da freun
  Sich hüpfende Knaben und Mägdelein!

Was gehst du, grüner Jäger, dort 
Mit blankem Mordgewehre? 
O Schande doch, daß heute Mord 
Des Waldes Freude störe! 
  Komm, Jäger; sei nicht wild! 
  Die Sonne scheint so mild! 
Und tanze mit, von Freud' erfüllt! 

Alle.
    Im Maien, 
    Am Reien,
  Da freun, da freun
  Sich hüpfende Knaben und Mägdelein!

Auch unsers Fischers Nachen ruht 
Bei aufgestellten Netzen; 
Heut' darf in sonnenheer Fluth 
Sich Hecht und Stint ergetzen.
  Komm, Jäger, her in's Grün,
  Wo Bäum' und Mädchen blühn! 
Eilt, Mädchen, eilt und fanget ihn! 

Alle.
    Im Maien, 
    Am Reien,
  Da freun, da freun
  Sich hüpfende Knaben und Mägdelein!

Die Hand geklascht, und flink herum!
Ihr Männer dort, juchheiet,
Und trink der Braut Gesundheit um,
So oft ein Mädchen schreiet!
  Dann guckt und klappert sehr
  Der Storch vom Giebel her;
Doch, Liebchen, nur von ungefähr!

Alle.
    Im Maien, 
    Am Reien,
 Da freun, da freun
 Sich hüpfende Knaben und Mägdelein!

Auf! jeder schwing' im Ringeltanz
Sein Mädchen, fest umfangen:
Der Westwind kühlt ihr unter'm Kranz
Die feuerroten Wangen!
  Im Kreise, froh der Schau,
  Sitzt mancher, alt und grau,
Und drückt die Hand der alten Frau!

Alle.
    Im Maien, 
    Am Reien,
    Da freun, da freun
    Sich hüpfende Knaben und Mägdelein!

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Set by by Karl Hanke (1750 - 1803), published 1797, Hamburg, Gottlieb Friedrich Schniebes

Confirmed with Sämmtliche poetische Werke von Johann Heinrich Voss, ed. by Abraham Voss, Leipzig, Immanuel Müller, 1835, pages 172-173.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Malcolm Wren [Guest Editor]

. Die Dorfjugend [sung text not yet checked]

Horch, der Küster beiert,
Mädchen, weiß und zart:
Morgen wird gefeiert,
Denk' ich, Himmelfahrt.
Dann ist keine Schule,
Dann wird Rad und Spule
Samt dem Zeichentuch verwahrt.

Glatt im Sonntagsjäckchen
Mußt du morgen sein,
Buntgewirkt das Röckchen,
Tuch und Schürze fein;
Und die blanke Mütze
Samt den Schnallen blitze,
Wie du gehst, im Sonnenschein.

Längs dem Kirchengange
Gafft dich alles an:
Seht die schmucke Lange!
Seht, sie wächst heran!
Selbst der Pfarrer bücket
Fromm das Haupt, und blicket,
Was sein Auge blicken kann.

Aber ich, dein Lieber,
Ist das Wetter schön,
Werde gegenüber
Auch im Schmucke stehn,
Und bei Saitenklange,
Predigt und Gesange,
Dich nur hören, dich nur sehn.

Nachmittags dann holen,
Liebchen, du und ich,
Sträußer von Violen,
Kränz' aus Möserich;
Und wo grün von Zweigen
Junge Mai'n sich neigen,
Lagert man am Hügel sich.

Schön in Strauß und Kranze,
Schön wie eine Braut,
Folgst du mir zum Tanze
Sittsam und vertraut:
Da wird frisch gesungen
Und herumgesprungen,
Nach des blinden Fiedlers Laut.

Mit Gekreisch und Juchen
Schwärmt des Dorfs Gewühl
Dann um Nüß' und Kuchen
Und ein Pfänderspiel.
Aber, kleine Dirne,
Gieb mir acht, ich zürne,
Küssest du mir allzu viel!

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Set by by Karl Hanke (1750 - 1803), published 1797, Hamburg, Gottlieb Friedrich Schniebes
Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

. Der Korb [sung text not yet checked]

Es freit' ein alter Junggesell,
Mit neugeschabtem Barte.
Wie that er schön, wie kuckt' er grell,
Als man bei Tisch uns paarte!

Laß ihn nur grell und artig sein,
Und noch so glatt sich schaben!
Nein, wahrlich nein!
Ich will den Herrn nicht haben.
Er trug ein Kleid von altem Schnitt,

Und seines Oheims Schnallen.
Wie äugelt' er, wie macht er mit,
Dem Mädchen zu gefallen!
Er mag um reiche Wittwen frein,
Mit reichen Morgengaben!

Nein, wahrlich nein!
Ich will den Herrn nicht haben.
Mitseinem wohlersparten Gut
Und seiner Tugend pral' er!
Was kümmert mich sein falber Hut,

Und seine blanken Thaler!
Soll sich ein frisches Jüngferlein
Am dürren Geize laben?
Nein, wahrlich nein!
Ich will den Herrn nicht haben.

Bald sezt er weiter seinen Stab,
Um ehrenfest zu werben.
Dann, Schwestern, fertigt flink ihn ab
Mit nett geflochtnen Körben!
Laßt ihn sogar zum Zipperlein

Auf Freierfüßen traben!
Nein, wahrlich nein!
Ich will den Herrn nicht haben.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Set by by Karl Hanke (1750 - 1803), published 1797, Hamburg, Gottlieb Friedrich Schniebes
Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

. Die Andersdenkenden [sung text checked 1 time]

Wohlan, wir bleiben einig
und gönnen uns die Ruh'!
Ich sage, dieses mein' ich,
und jenes meinest du.

Scheint künftig, was ich meine,
dir gar zu wunderlich,
so denk', ob's anders scheine
mir selbst, und fasse mich.

Die Worte, Lieber, haben
oft mancherlei Verstand;
oft hat man tief gegraben,
bis man den rechten fand.

Oft seh'n wir nur Erscheinung,
die wir uns selbst verrückt,
wie besser sich die Meinung
zum Widerlegen schickt.

Ich pflegte sonst doch billig
besonnen noch zu sein,
und jetzo tappt' ich willig
in Albernheit hinein?

Doch nimmer werd', als töricht,
was mir vernünftig scheint,
geworfen in den Kehricht;
nur nicht als bös', mein Freund!

Dein Bruder meint's, du Lieber,
mit Gott und Menschen gut.
Sonst, sage mir, wie hüb' er
so fröhlich Aug' und Mut?

Lass denn die bösen Namen
auf -auer, -ist und -at!
Sie streu'n des Bösen Samen
und dämpfen Rat und Tat.

Die Summe der Vereinung:
Der Gegner sei geehrt!
Verfolgt sei nur die Meinung,
die freie Meinung stört!

Komm, edler Freund, wir brechen
den Bissen Salz und Brot
und geh'n dabei, und sprechen!
O sieh' das Abendrot!

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Set by by Karl Hanke (1750 - 1803), published 1797, Hamburg, Gottlieb Friedrich Schniebes
Researcher for this text: Johann Winkler

. Der Freier [sung text not yet checked]

Das Mägdlein, braun von Aug' und Haar,
Kam über Feld gegangen; ,
Die Abendröte schien so klar,
Und Nachtigallen sangen.
Ich sah und hörte sie allein.
Dalderi daldera, das Mägdelein
Soll mein Herzliebchen sein!

Ein Röckchen trug sie, dünn und kurz,
Und leichtgeschnürt ihr Mieder;
Es weht' ihr Haar, es weht' ihr Schurz,
Im Wefte hin und wieder;
Die Strümpfe schienen weiß und fein.
Dalderi daldera, das Mägdelein
Soll mein Herzliebchen sein!

Die bunte Kuh, gelockt mit Gras,
Kam her vom Anger trabend;
Und als das Mägdlein melkend fals,
Da bot ich guten Abend,
Und schielt' ins Busentuch hinein.
Dalderi daldera, das Mägdelein
Soll mein Herzliebchen sein!

Sie nickte mir mit holdem Gruß;
Da ward mir wohl und bange,
Und herzhaft drückt' ich einen Kuß
Auf ihre rote Wange,
So rot, so rot, wie Abendschein.
Dalderi daldera, das Mägdelein
Soll mein Herzliebchen sein!

Ich half ihr über Steg und Zaun
Die Milch zu Hause bringen,
Und gegen Ungetüm und Graun
Ein Schaferliedchen singen;
Denn dunkel wars im Buchenhain.
Dalderi daldera, das Mägdelein
Soll mein Herzliebchen sein.

Die Mutter schalt: So spät bei Nacht?
Da stand sie ach! So schämig.
Sacht, sprach ich, gute Mutter, sacht!
Das Töchterlein, das nehm' ich!
Nur freundlich, Mutter, willigt ein!
Dalderi daldera, das Mägdelein
Soll mein Herzliebchen sein!

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Set by by Karl Hanke (1750 - 1803), published 1797, Hamburg, Gottlieb Friedrich Schniebes
Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

. Der Flaußrock [sung text checked 1 time]

Ein Regensturm mit Schnee und Schlossen
zog düster über Land und Meer,
dass Traufen gleich die Dächer gossen;
die Küh' im Felde brüllten sehr.
Frau Käthe, die zwar niemals zanket,
sprach hastig: Geh doch, lieber Mann,
geh hin, eh' Blässchen uns erkranket,
und zieh den alten Flaußrock an!

Die beste Kuh ist unser Blässchen;
und höre, wie sie kläglich brüllt!
Sie hat uns schon manch liebes Fässchen
mit Milch und Butter angefüllt.
Entsetzlich tobt des Sturms Gesause!
Geh hin, mein lieber, guter Mann,
und hole Blässchen mir zu Hause,
und zieh den alten Flaußrock an.

Mein Flaußrock dient' in Sturm und Regen,
solang' er neu und wollig war.
Doch jetzo hält er schwerlich gegen;
ich trag' ihn schon an dreißig Jahr'.
Frau, lass uns nicht so nährig geizen.
Wer weiß, wie bald man sterben kann!
Bedenk', für eine Tonne Weizen
schafft sich ein neuer Flaußrock an.

Für so viel Weizen trug zur Feier
der Herzog Ulrich seinen Rock
und murrte doch, er sei zu teuer,
und schalt den Schneider einen Bock.
Der fromme Herr war Fürst im Lande,
und du bist ein gemeiner Mann.
Der Hochmut führt in Sünd' und Schande,
drum zieh den alten Flaußrock an.

Nicht prunken will ich, liebes Käthchen,
nur warm durch Sturm und Regen geh'n.
Schon zählen lässt sich jedes Drähtchen,
Ja, Fäserchen und Fetzen weh'n.
Sieh Roberts, Wilms und Bartels Kleider!
Wann gehen die so lumpicht, wann?
Doch Werkeltag und Sonntag leider
Zieh' ich den alten Flaußrock an!

Der Flaußrock, deucht mir, ist noch billig;
ich hab' ihn gestern erst geflickt.
Du weißt, wie sorgsam ich und willig
dich stets gepfleget und geschmückt.
Du findest hier ein warmes Stübchen
und eine warme Suppe dann.
So geh denn hin, du wack'res Bübchen,
und zieh den alten Flaußrock an.

Ein jedes Land hat seine Weise,
und seine Hüls' ein jedes Korn.
Die Wirtschaft, Frau, kömmt aus dem Gleise,
verliert der Mann erst Zaum und Sporn.
In Sturm und Regen übernachte
das Blässchen, wo es will und kann!
Denn nimmer, ob sie auch verschmachte,
zieh' ich den alten Flaußrock an!

Mein Herzensmann, seit dreißig Jahren
hab' ich in Fried' und Einigkeit
mit dir viel Freud' und Leid erfahren
und dich mit manchem Kind erfreut.
Zum Segen zog ich alle sieben
mit Wachen und Gebet heran.
Nun, Männchen, lass dich immer lieben
und zieh den alten Flaußrock an.

Frau Käthe, die zwar niemals zanket,
mag gern des Wortes sich erfreu'n;
auch wird's mit Ruhe mir verdanket,
lass' ich nur fünf gerade sein.
Stillschweigend stand ich auf vom Sitze,
ein wohlgezog'ner Ehemann,
verschob aufs eine Ohr die Mütze
und zog den alten Flaußrock an.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Set by by Karl Hanke (1750 - 1803), published 1797, Hamburg, Gottlieb Friedrich Schniebes
Researcher for this text: Johann Winkler

. Tafellied für die Freymaurer [sung text not yet checked]

Wie hehr im Glase blinket 
  Der königliche Wein! 
Wie strömt sein Duft! O trinket,
  Und laßt uns fröhlich sein! 
Doch, fälscht ein Rebenhasser 
Den Feuertrank mit Wasser;
  Frisch! 
Trommelt auf den Tisch! 

Alle. 
  Frisch!
Trommelt auf den Tisch! 
Und reicht ihm klares Wasser!

Der edle Wein erweitert 
  Des edlen Mannes Herz,
Er hellt den Geist und läutert
  Des Wortes Ernst und Scherz. 
Will jemand einen Sparren 
Zu viel in's Dach uns narren; 
  Frisch! 
Trommelt auf den Tisch! 

Alle.
  Frisch! 
Trommelt auf den Tisch 
Und laßt ihm seinen Sparren! 

Es strahlt, wie Gottes Sonne,
  Die Wahrheit allgemein;
Nicht Kirche, Log' und Tonne 
  Des Denkers schließt sie ein.
Wenn etwa Schälk' im Dunkeln
Von eigner Wahrheit munkeln;
  Frisch! 
Trommelt auf den Tisch! 

Alle.
  Frisch! 
Trommelt auf den Tisch! 
Und lacht der Schälk' im Dunkeln! 

Kocht thöricht Gold im Tiegel,
  Und blas't den Diamant;
Raubt Salomonis Siegel,
  Der Geister Graun, und bannt! 
Doch, wird zum Trank der Jugend 
Gebraut der Sterne Tugend;
  Frisch! 
Trommelt auf den Tisch! 

Alle.
  Frisch! 
Trommelt auf den Tisch! 
Nur Wein ist Trank der Jugend!

Wer Messe liebt zu plärren 
  Am hellen Frohnaltar,
Der spiel' auch Tempelherren 
  In weißem Amtstalar. 
Doch, trennt man uns vom Bunde 
Der feuchten Tafelrunde;
  Frisch! 
Trommelt auf den Tisch! 

Alle.
  Frisch! 
Trommelt auf den Tisch! 
Und fei'rt die Tafelrunde! 

Bei'm Trunk gehört ein König,
  (So war's in alter Zeit!)
Der, trinkt ein Gast zu wenig,
Ihm Dreimaldrei gebeut! 
Doch, raunt man von Sankt Petern,
Und unbekannten Vätern:
  Frisch! 
Trommelt auf den Tisch! 

Alle.
 Frisch! 
Trommelt auf den Tisch! 
Trotz unbekannten Vätern!

Wir zechen gern in Frieden,
  Und glauben, was man kann! 
Im Osten auch und Süden 
  Wohnt mancher Biedermann. 
Doch, rühmt ein Schalk uns Kloster,
Tonsur und Paternoster;
  Frisch! 
Trommelt auf den Tisch! 

Alle.
  Frisch! 
Trommelt auf den Tisch! 
Und schickt ihn heim in's Kloster! 

Auf! füllt das Glas, ihr Lieben,
  Und trinkt den lieben Wein;
Sei's Dreimaldrei, sei's Sieben, 
  Sei's gern auch Dreimalneun! 
Doch, sperrt ein Schalk den Schnabel 
Zu Pfaffentrug und Fabel;
  Frisch! 
Trommelt auf den Tisch! 

Alle.
  Frisch! 
Trommelt auf den Tisch! 
Und schlagt ihn auf den Schnabel! 

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Set by by Karl Hanke (1750 - 1803), published 1797, Hamburg, Gottlieb Friedrich Schniebes

Confirmed with Sämmtliche poetische Werke von Johann Heinrich Voss, ed. by Abraham Voss, Leipzig, Immanuel Müller, 1835, pages 170-171. Note: we have corrected a typo in the first chorus ("Frischt" became "Frisch!").


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

. Freundschaftsbund [sung text not yet checked]

Im Hut der Freiheit stimmet an 
  Voll Ernst der Freundschaft Lied! 
Der ist, bei Gott! kein Ehrenmann, 
  Dem hier sein Herz nicht glüht!
Die Freundschaft stärkt in Freud' und Noth,
Und folgt durch Leben und durch Tod!

Erbarmend sah des Lebens Müh'
  Der Menschen Vater, schwieg,
Erschuf die Freundschaft, wog; und sieh', 
  Des Elends Schale stieg.
Da sprach der Vater: Es ist gut! 
Und alles Leben hauchte Muth.

Wohlthun und Wohl empfangen, lehrt 
  Ein allgemeiner Bund.
Im Kerker ist die Spinn' uns werth,
  Auf öder Flur ein Hund, 
Ein Hühnchen, das gerufen kam,
Und Brot aus unsern Händen nahm.

Doch wohl dir, theilt ein Menschenherz
  Des Lebens Mancherlei,
Ein Herz, das mitfühlt Freud' und Schmerz,
  Verständig, gut und treu:
Ein Freund, der sanft mit Rathe nützt,
Und Abends traulich bei uns sitzt! 

Ach! ohne Freund ist öd' und stumm
  Das schönste Vaterland! 
Doch blühen heißt Elysium 
  Ein Freund aus dürrem Sand:
Er schmaus't mit uns auf grobem Zwilch,
Und würzt durch Liebe Frucht und Milch.

Einmüthig hält auf Recht und Pflicht, 
  Und handelt, Freund und Freund;
Doch trägt man gern, und quält sich nicht,
  Was jeder glaubt und meint.
Der zieht den Duft der Rose vor,
Der andre liebt den Nelkenflor.

Gedank' und That, auch Ehr' und Glück,
  Vertraut man ohne Hehl;
Auch Schwachheit schaut des Freundes Blick:
  Ihn irrt kein leichter Fehl.
Selbst herber Gram an Freundesbrust 
Verweint sich bald in süße Lust.

Ein Herz und Eine Seele sei 
  Mit seinem Freund der Freund: 
Liebreich und wahrhaft, mild und frei,
  In Fern' und Tod vereint! 
Einst bringt, wer früher starb, in Glanz 
Dem Brudergeist den Palmenkranz! 

Entblößt das Haupt, ihr Freund', und weiht 
  Der Freundschaft diesen Trank! 
Ihr todten Freunde, hört den Eid,
  Einstimmend zum Gesang;
Und tröstet deß Getäuschten Gram,
Der Treue gab, und Falschheit nahm! 

Wir schütteln herzlich uns die Hand,
  Und theilen Freud' und Noth! 
Sei dieser Druck der Freundschaft Pfand
  Durch Leben und durch Tod! 
Nichts soll und kann uns je entzwei'n!
Mein Freund ist mein, und ich bin sein!

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Set by by Karl Hanke (1750 - 1803), published 1797, Hamburg, Gottlieb Friedrich Schniebes

Confirmed with Sämmtliche poetische Werke von Johann Heinrich Voss, ed. by Abraham Voss, Leipzig, Immanuel Müller, 1835, pages 169-170.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]