Vor Zeiten, als man noch so trank,
Daß mancher unter die Bank versank;
Was jetzt gar selten mal passirt,
Weil Tugend Jedermann genirt: --
Da ging ein Zecher einst nach Haus
Von einem großen Kirmesschmaus:
Heidi, heida, tralalala,
Wie war dem Männlein schwüle da!
Er kam zum Steg am Unkenmoor:
Der Steg kam ihm nicht breit g'nug vor;
Da war er gar zu aufgebracht,
Daß man den Steg nicht breiter macht!
Und wie er sagt: so breit muß er sein!
Da fällt er, plumps ins Wasser 'nein.
Heidi, heida, tralalala,
Wie war dem Männlein schwüle da!
Nun glaubt man wohl, mit dem Juchhei
Bei diesem Schelmen war's vorbei ? --
Doch hat's mit dem noch kein' Gefahr,
Weil er gewöhnt an's Trinken war:
Er trank das ganze Pfütze aus,
Und ging mit trocknem Fuß nach Haus. --
Heidi, heida, tralalala,
Da war ein guter Zug, ha, ha! ha, ha, ha, ha!
Drei komische Lieder
by Ludwig Joseph Kramolin (1805 - 1884), as Ludwig Cramolini
1. Der wackere Zecher
Language: German (Deutsch)
Text Authorship:
- by August Kopisch (1799 - 1853), "Der wackere Trinker"
See other settings of this text.
Note: modern German would change many spellings: "passirt" -> "passiert", "genirt" -> "geniert", etc.
Research team for this page: Emily Ezust [Administrator] , Johann Winkler2. Der erschrockene Tod
Language: German (Deutsch)
Es lebte ein Bauer im sächsischen Land, der war als der reichste im Dorfe bekannt. Er jatte viel Wiesen, viel Wald und viel Feld und auch einen Acker mit Kraut sich bestellt. Das grünte und wuchs, ein so herrliches Kraut hatt' keiner von allen im Dorf je gebaut; d'rum hatte auch Tod, denn so hieß dieser Mann, gar großes Behagen und Freude daran. Einst wollt' er, als kaum noch der Morgen gegraut besuchen den lieblichen Acker voll Kraut. O Himmel, was hatte der Mann da für Schreck: Der Acker war leer, und sein Kraut alles weg! Da stand er, als wär' er vom Schlage gerührt: Der Krautacker war ja ganz rein abrasiert! Auch hatt' in der Mitt' eine Stang' er erricht't, der nächtliche Unhold, der Erzbösewicht. Und hoch an der Stang' einen Zettel man fand, worauf mit Frakturschrift ganz leserlich stand: Zu wisssen und kund sei es jedem, der's liest: Für'n Tod auf der Erde kein Kraut g'wachsen ist.
Text Authorship:
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Note: the German phrase "Dagegen ist kein Kraut gewachsen" means "against that there is no remedy".
Researcher for this page: Johann Winkler
3. Der Plagegeist
Language: German (Deutsch)
Es war einmal ein Bauer am Rhein, den drückte der Alp Jahr aus Jahr ein. Bei Gott, bin das Ding jetzt müd' und satt! Will seh'n, welcher Satan so lieb' mich hat! Als der Geist nun leis' in der nächsten Nacht durchs Schlüsselloch wieder die Fahrt gemacht, der Bauer, der war auf seiner Hut, er schlang ohne Zaudern die Decke gut. Hab' ich dich erwischt, du verwegener Wicht? Komm, lass dich beschauen beim Mondenlicht! Potz Donner und Blitz! Ein Pantoffel schwer! Gut, gut, sollst mich nimmer pantoffeln mehr! Flugs zog er den Hammer und Nagel herfür und schlug den Pantoffel, klipp klapp, an die Tür. Da hänge nunmehr, meine nächtliche Plag', und zapple nach Lust bis zum jüngsten Tag! Doch was fand der Bauer am Morgen vor? Festgenagelt sein Weib mit einem Ohr. Da ward's bei ihm Tag wir durch Zauberschlag, da wusst'er, wo der Has' im Pfeffer lag.
Text Authorship:
- by Karl Christian von Tenner (1791 - 1866), "Der Plagegeist"
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