Der Krieg ist aus, und König Franz bezwungen in dem lust'gen Tanz. Die Lilie hat der Aar gefangen, sie lässt die Blättlein traurig hangen. Victoria, victoria! Jetzt zahlt man uns die Löhnung aus und schickt die Landsknecht' all' nach Haus'; was ist im Frieden anzufangen? Wenn einer stiehlt, wird er gehangen! Victoria, victoria! Der Krieg ist aus, der Magen leer, auch dürstet alle Landsknecht' sehr. 's war anders, als wir fröhlich schwangen die bunten Fähnlein an den Stangen. Victoria, victoria! Heissa, das war eine gute Zeit, die jedes Landsknechts Herz erfreut. Jetzt steh'n wir da mit Siegesprangen und tu'n nach Speis' und Trank verlangen. Victoria, victoria! Herr Kaiser, fanget nur wieder an ein neues Tänzlein mit weh'nder Fahn'! Wenn Ihr die deutschen Landsknecht' bringet, Euch selbst der Satan nicht bezwinget! Victoria, victoria!
Landsknechtlieder von Franz Graf Pocci, op. 15
by Wilhelm Weber
1. Nach der Schlacht von Pavia
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- by Franz Ludwig Evarist Alexander, Graf von Pocci (1807 - 1876), "Nach der Schlacht von Pavia", appears in Der Landsknecht, first published 1861
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Note: In the battle of Pavia 1525 the French under King François Ier were defeated by the army of the German Emperor Karl V.
Researcher for this page: Johann Winkler2. Minnelied
Hei, wie springt mein Herz in Freuden und in wonniglicher Minne, dass vergangen alle Leiden, weil gewandt sie ihre Sinne! Da der Schnee die Heide deckte, Wald und Fluren dürre lagen, kein Gesang der Vöglein weckte, blieb mir nichts als bitter klagen. Nun der Mai mit seinem Prangen siegesvoll ist eingezogen und die Knospen alle sprangen, ward ihr Herz auch mir gewogen. Und ich sing' es nun zur Laute, künd' es in dem Maienscheine, dass ich die holdsel'ge Traute nennen darf die eigen Meine!
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- by Franz Ludwig Evarist Alexander, Graf von Pocci (1807 - 1876), "Minnelied", appears in Der Landsknecht, first published 1861
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Confirmed with Der Landsknecht von Franz Pocci, München, 1861.
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3. Am Morgen
Ein alter Landsknecht steht auf der Wacht mit Flamberg und langer Lanzen; er harret wohl aus die ganze Nacht bis das Frührot hell wird glänzen. Da grüßt ihn der Sonne güld'ner Schein, seitab ist der Mond getreten; er spricht: Nun erheb' dich, du Herze mein, und schicke dich an, fromm zu beten. Und geht es etwan noch heut' zum Streit, stell' ich mich treu in die Reihen und denk' mir: Die Ewigkeit liegt nicht weit, Gott wird mir das Rechte verleihen. Dann sitzen wir hier im frohen Kreis wir Landsknechte, freie und treue, und singen und trinken nach unser Weis', dass sich jedes Herz d'ran erfreue. Die Becher ha'n einen guten Klang, denn Frömmigkeit steht hier in Ehren; ein frommer Trunk und ein frommer Sang, die sollen der Traurigkeit wehren. Woll' uns der lieb' Herrgott helfen dazu, dass alle wir guten Mut's streiten, bis dass uns zur ewigen, seligen Ruh' die Engelein endlich geleiten.
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- by Franz Ludwig Evarist Alexander, Graf von Pocci (1807 - 1876), "Am Morgen", appears in Der Landsknecht, first published 1861
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Note: the Flamberg (line 2) is a sword to be swung with both hands
Researcher for this page: Johann Winkler4. Auf dem Marsch zu singen
Einen langen Spieß, ein scharfes Schwert und guten Trunk der Landsknecht begehrt. Im Kriege verdien' ich mein sauer Brot, bin heute noch rot, vielleicht morgen tot! Trumm, trumm, trumm, trumm die Trommel voran, marschieren wir vorwärts Mann an Mann! Fällt einer, tritt gleich ein Anderer vor; wir müssen all' durch des Todes Tor. Durch diese Tür geh'n wir alle ein, aufs Abendrot folgt Morgenschein. Und so ist des Landsknechts Lebenslauf: Ist gefallen er in Dienst und Pflicht, steht er wieder auf, bläst man zum Gericht. Trumm, trumm, trumm, trumm die Trommel voran, marschieren wir vorwärts Mann an Mann!
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- by Franz Ludwig Evarist Alexander, Graf von Pocci (1807 - 1876), "Auf dem Marsch zu singen", appears in Der Landsknecht, first published 1861
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Researcher for this page: Johann Winkler5. Frundsbergs Tod
Hört's alle, ihr lieben Brüder mein, nun soll ein bitter Trauern sein: Zu Mindelheim bei Fackelschein, da gruben sie eine Leichen ein. Der Landsknecht Vater, der alte Held und unser Hauptmann im Schlachtenfeld, Herr Georg Frundsberg lobesan, gestorben ist der fromme Mann. Wer sorgt für uns, wer führt uns an? wer trägt voraus des Kaisers Fahn'? Wie Kindlein wir verlassen steh'n, von denen musst' der Vater geh'n. Wo find't ihr ein Herz so stark und gut, wo find't ihr so edlen Heldenmut, der allerorten wohl hat gesiegt? Und nun dies alles begraben liegt! Nach Mindelheim ziehen wir zuhauf zu Frundsbergs Grabstatt nun hinauf und singen ein traurig Landsknechtlied als Klage, dass er von uns schied. Wir pflanzen die Fähnlein in einen Kreis und schmücken die Hüt' mit Tannenreis; dann soll der Pfaff' uns halten ein Amt, dabei wir andächtig beten allsamt, und eine Predigt zu Frundsbergs Ehr'; dann soll er weih'n unser Waffen und Wehr bei Trommelschlag und Pfeifenklang auf diesem letzten schweren Gang. Hört's alle, ihr lieben Brüder mein, nun soll ein bitter Trauern sein: Wie Kindlein wir verlassen steh'n, von denen musst' ihr Vater geh'n.
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- by Franz Ludwig Evarist Alexander, Graf von Pocci (1807 - 1876), "Frundsbergs Tod", appears in Der Landsknecht, first published 1861
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