Drei lustige Lieder von Robert Reinick, für 1 tiefe Stimme (Bass oder Alt)

Song Cycle by Ferdinand Sieber (1822 - 1895)

Word count: 434

1. Diebstahl  [sung text not yet checked]

  Mädel trug des Wegs daher
Einen Korb voll Blüten,
Knabe schlich sich hinterher,
 -- Mädel kann sich hüten! --
Denn der Knabe, der war keck,
Stahl die schönsten Blüten weg.
  O du böser Knabe!

Knabe läuft und bringt nach Haus
Die gestohlnen Blüten;
Doch mit Lachen war es aus,
-- Knabe kann sich hüten! --
Denn ein Schelm das Mädel war,
Stahl ihm seine Ruhe gar,
  O du böses Mädel!

Drauf, als sie sich wieder sah'n,
Wie sie beid' erglühten!
Schleicht der Knabe sich heran,
-- Mädel kann sich hüten! --
Und eh' sie es nur geglaubt,
Hat er Kuß auf Kuß geraubt.
  O du böser Knabe!

Mädel mußt' sich fügen drin,
Denn mit Kuß und Blüten
Ging auch Herz und Hand dahin,
-- Konnt' sich nicht mehr hüten! --
Und so stahlen, auf mein Wort,
Beid' am Ende selbst sich fort.
  [Liebe]1 machet Diebe!

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1 Blodek: "Oh Liebe"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Schweigen  [sung text not yet checked]

     Schweigen ist ein schönes Ding!
Doch nicht immer ist's manierlich;
Plaudern möge, wer sich zierlich
Holden Frauen will erweisen,
Und wo Worte nicht genügen,
Ei, da kann man sich vergnügen
Wohl auch noch in bessern Weisen;
     Zum Exempel:
 
     Singen ist ein schönes Ding!
Singen trägt von Herz zu Herzen
Ernste Lieb' und liebend Scherzen;
Was mit Reden kaum zu sagen,
Niemand wird es übel deuten,
Wenn es Töne hold begleiten.
Singend kann man Vieles wagen;
     Zum Exempel:
 
     Küssen ist ein schönes Ding!
Küsse geben und empfangen,
Kann man Schön'res wohl erlangen?
Und zwei Lippen seh' ich brennen,
Die allein sie anzublicken
Schon vor Allem mich entzücken,
Und ich könnte wohl sie nennen;
     Zum Exempel: - -
 
Schweigen ist ein schönes Ding!

Authorship

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First published in Deutscher Musenalmanach auf das Jahr 1837, p. 218

Researcher for this text: Harry Joelson

3. Curiose Geschichte [sung text not yet checked]

Ich bin [einmal etwas hinausspaziert]1,
Da ist mir ein närrisch Ding passiert:
Ich sah einen Jager am Waldeshang,
Ritt auf und nieder den See entlang;
Viel Hirsche sprangen am Wege dicht;
Was tat der Jäger? - er schoß sie nicht,
Er blies ein Lied in den Wald hinein -
Nun sagt mir, ihr Leut', was soll das sein?

Und als ich weiter bin fort spaziert,
Ist wieder ein närrisches Ding mir passiert:
In kleinem Kahn eine Fischerin
Fuhr stets am Waldeshange dahin;
Rings sprangen die Fischlein im Abendlicht;
Was tat das Mädchen? - Sie fing sie nicht,
Sie sang ein Lied in den Wald hinein -
Nun sagt mir, ihr Leut', was soll das sein?

Und als ich wieder zurück spaziert,
Da ist mir das narrischste Ding passiert:
Ein leeres Pferd mir entgegen kam,
Im See ein leerer Nachen schwamm;
Und als ich ging an den Erlen vorbei,
Was hört ich drinnen ? - Da flüsterten Zwei,
Und 's war schon spät und Mondenschein -
Nun sagt mir, ihr Leut', was soll das sein?

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First published in Lieder eines Malers mit Randzeichungen seiner Freunde, 1833

1 Seiffert: "einmal hinausspaziert"(according to Hofmeister); Wallnöfer: "einmal Abends hinausspaziert"; further changes may exist not shown above.

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]