LiederNet logo

CONTENTS

×
  • Home | Introduction
  • Composers (21,095)
  • Text Authors (21,196)
  • Go to a Random Text
  • What’s New
  • A Small Tour
  • FAQ & Links
  • Donors
  • DONATE

UTILITIES

  • Search Everything
  • Search by Surname
  • Search by Title or First Line
  • Search by Year
  • Search by Collection

CREDITS

  • Emily Ezust
  • Contributors (1,135)
  • Contact Information
  • Bibliography

  • Copyright Statement
  • Privacy Policy

Follow us on Facebook

by Gottfried Keller (1819 - 1890)

Jüngst stand ich mit dem ersten...
Language: German (Deutsch) 
Our translations:  FRE
Choose for Diff
[Jüngst stand ich mit dem ersten]1 Frühlicht auf
Und nahm hinaus in's Freie meinen Lauf,
Wo [silbergrau]2 die Morgendämmrung lag,
Umflorend noch den rosenrothen Tag;
Mich einmal satt zu gehn in Busch und Feldern
Vom Morgen früh bis in die späte Nacht,
[Ein bleibend Lied]3 zu holen in den Wäldern,
Hatt' ich zum festen Vorsatz mir gemacht.

Rein war der [Morgen]4, bald zum Tag erhellt,
Der volle Liebespuls schlug durch die Welt;
Die Lüfte wehten und der Vogel sang,
Die Eichen wuchsen und die Quelle sprang;
Die Blumen blühten und die Früchte reiften,
Ein jeglich Gras that seinen [Odemzug]5,
Die Berge standen und die Wolken [schweiften,
Und fächelnd mich des Lebens Schwinge]6 trug.

Ich schlenderte den lieben Tag entlang,
Im Herzen regte sich der Hochgesang;
Es brach sich Bahn der Wachtel [leichter]7 Schlag,
Jedoch mein Lied, — es rang [umsonst]8 zu Tag.
[Es ward Mittag;]9 ich lag an Silberflüssen,
Die Sonne sucht' ich in der klaren [Fluth:
Ich durfte]10 nicht von Angesicht sie grüßen,
Der ich allein, in all dem Drang, geruht.

Die Sonne sank und ließ die Welt der Ruh,
Die Abendnebel gingen ab und zu;
Ich lag auf Bergeshöhen matt und müd,
Tief in der Brust das ungesungne Lied.
Da nickten, spottend mein, die schlanken Tannen,
Und höhnisch sah der Erde Moos empor
Mit seinen Würmern, die geschäftig spannen,
Und lachend brach das Firmament hervor.

Von Osten wehte rein und scharf der Wind:
«Was suchst du hier, du müßig Menschenkind,
Du stumme Pfeife in dem Orgelchor,
Schlemihl, der träumend Raum und Zeit verlor?
Dir ward das Leichteste, das Lied, gegeben,
Das, selbst sich bauend, aus der Kehle bricht:
Du aber legst dein unbeholfen Leben,
Wie einen Stein, ihm auf den Weg zum Licht!»

So sprach der Wind? O nein, so sprach der Schmerz,
Der mir wie Ketten hing um's dunkle Herz!
Ein fremder Körper, ohne Form und Schall,
So, däuchte mir, lag ich im regen All.
Und Wind und Tannen, Gletscher, Moos und Sterne,
Sie schlangen lachend ihren weiten Kranz;
Wie an der Insel sich das Meer, das ferne,
Brach sich an mir ihr friedlich milder Glanz.

Available sung texts:   ← What is this?

•   O. Schoeck 

O. Schoeck sets stanzas 1-3, 4 (lines 1-4)

About the headline (FAQ)

View text without footnotes
1 Schoeck: "Vom Lager stand ich mit dem Frühlicht"
2 Schoeck: "duftiggrau"
3 Schoeck: "Und auch ein Lied"
4 Schoeck: "Himmel"
5 Schoeck: "Atemzug"
6 Schoeck: "schweiften/ In gleicher Luft, die meinen Odem"
7 Schoeck: "heller"
8 Schoeck: "sich nicht"
9 Schoeck: "Der Mittag kam,"
10 Schoeck: "Flut/ Und durfte"

Text Authorship:

  • by Gottfried Keller (1819 - 1890), no title, appears in Neuere Gedichte, in Vermischte Gedichte, in Ein Tagewerk, no. 1 [author's text checked 1 time against a primary source]

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):

  • by Othmar Schoeck (1886 - 1957), "Ein Tagewerk I", op. 55 no. 24 (1941-3), stanzas 1-3, 4 (lines 1-4) [ mezzo-soprano or baritone and piano ], from Unter Sternen: Lieder und Gesänge nach Gedichten von Gottfried Keller, no. 24, Wien: Universal Edition [sung text checked 1 time]

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Benoît Rivillon) (Jasmine Rivillon) , copyright © 2026, (re)printed on this website with kind permission


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website between May 1995 and September 2003.
Line count: 48
Word count: 361

Gentle Reminder

This website began in 1995 as a personal project by Emily Ezust, who has been working on it full-time without a salary since 2008. Our research has never had any government or institutional funding, so if you found the information here useful, please consider making a donation. Your help is greatly appreciated!
–Emily Ezust, Founder

Donate

We use cookies for internal analytics and to earn much-needed advertising revenue. (Did you know you can help support us by turning off ad-blockers?) To learn more, see our Privacy Policy. To learn how to opt out of cookies, please visit this site.

I acknowledge the use of cookies

Contact
Copyright
Privacy

Copyright © 2026 The LiederNet Archive

Site redesign by Shawn Thuris