by Nikolaus Lenau (1802 - 1850)
An die Wolke
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Language: German (Deutsch)
Zieh nicht so schnell vorüber An dieser stillen Haide, Zieh nicht so scheu vorüber An meinem tiefen Leide, Du Wolke in der Höh', Steh still bei meinem Weh! O nimm auf deine Schwingen Und trag zu ihr die Kunde: Wie Schmerz und Groll noch ringen, Und bluten aus der Wunde, Die mir durch ihren Trug Die Ungetreue schlug. Und kommst auf deinen Wegen Du an vor ihrem Hause, So stürze dich als Regen Herunter mit Gebrause, Daß sie bei dunkler Nacht Aus ihrem Traum erwacht. Schlag' an die Fensterscheibe, Und schlag' an ihre Thüre, Und sei dem falschen Weibe Ein Mahner an die Schwüre, Die sie mir weinend sprach, Und die sie lächelnd brach. Und will sie das nicht hören, So magst von deinem Sitze, Du, Donner, dich empören, Dann rüttelt, all' ihr Blitze, Wenn ihr vorüberzieht, An ihrem Augenlied sic!
R. Franz sets stanzas 1, 2, 4, 5
Confirmed with Nicolaus Lenau's sämtliche Werke, herausgegeben von G. Emil Barthel, Leipzig: Druck und Verlag von Philipp Reclam jun., [1883], pages 48-49.
Note provided by Sharon Krebs:
Lenau originally published this poem with a different second stanza, but later he wrote: "Mein Herz eine Waise zu nennen, und obendrein eine verblutende, war von mir weichlich und läppisch, und ich schäme mich sechstausendmal beim Wiederlesen dieser verunglückten Zeilen, denn eben so oft sind sie gedruckt in der Leute Händen." Here is the original second stanza:
Und nimm auf deine Reise Mit fort zu ihr die Kunde: Mein Herz, die arme Waise, Verblutet an der Wunde, Die mir durch ihren Trug Die Ungetreue schlug.
Text Authorship:
- by Nikolaus Lenau (1802 - 1850), "An die Wolke", appears in Gedichte, in 1. Erstes Buch, in Heidebilder [author's text checked 2 times against a primary source]
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This text was added to the website: 2007-09-28
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