by Friedrich Rückert (1788 - 1866)
Wieviel Lüftlein auf den Höhn
NOTE: the footnotes have been removed from this text; return to general view
Language: German (Deutsch)
Wieviel Lüftlein auf den Höhn, Wieviel Bächlein im Thale gehn Über die grünen Haiden; Wieviel Sternlein am Himmel flittern, Wieviel Blättlein an Bäumen zittern; Soviel Wünsche send' ich nach dir In Schmerzen und zitternden Freuden. Wär' ich der goldene Sonnenschein, Jeder Stral ein Gedanke mein, Und jeder Schimmer ein Sehnen, Wollt' ich mit einem Flammenkranz Dir umflechten die Locken ganz, Daß du straltest als meine Braut Die schönste von allen Schönen. O wenn ich dürfte die Hütte seyn, Die sich über dich senkt herein, Dich enge zu umfassen! Wie dein Leib in der stillen Hütte, Wohnt dein Geist mir in Herzens Mitte; Thür und Thore verschlossen sind, Du kannst dein Haus nicht verlassen. Wenn der Durst mich drückt auf den Wegen, Springt ein kühler Quell mir entgegen, Deine Liebe, da trink' ich; Wenn ich wandre in finstrer Nacht, Ist die Fackel mir angefacht, Seh' ich voraus mir die Fackel ziehn, Nimmer matt' ich noch sink' ich. Wenn ich wär' in der neuen Welt, Vor mir die endlose Meerflut geschwellt, Rief' ich hinaus in das Grausen, Daß sie es sagte zu fernen Klippen, Und die es sagten mit steinernen Lippen Über Berge, Wälder und Thal, Bis du es vernähmest mit Brausen. Rufen will ich in Frühlingshainen Meinen Namen und den deinen, Daß ihn die Vögelein lernen; Fliegen sie hin auf ferner Bahn, Wo ich ihnen nicht folgen kan, Wenn sie dir bringen den Gruß von mir, Rufe mir Dank in die Fernen! Wenn du nicht weißt, was die Bächlein sagen, Denke nur, sie wollen klagen, Daß wir uns mußten scheiden; Wenn ein Busch seine Zweige senkt, Denke nur, daß er sich kränkt, Daß er nimmer auf grünem Moos Schatten kann streun uns beiden. Wenn der Herbst die Lilien bricht, Denk' und weine, so zu nicht Ist uns worden die Liebe; Wenn der Frühling aus Schnee und Eis Wieder rufet das grüne Reis, Denke, so aus der Trennung soll Wieder uns blühn die Liebe. Wenn du die glühende Rose pflückst, Und sie warm an den Busen drückst, Gedenke, wie ich dich liebe! Hundert Blätter die Rose hat, Und es steht auf jedem Blatt Geschrieben mit Herzblut und Morgenroth: Liebst du mich, wie ich dich liebe? O ihr Blumen, du stille Schaar, Hütet die Liebste mir immerdar Mit euern Engelsaugen ; Nehmet von ihr den Liebesblick, Und gebt eueren ihr zurück ; Laßt bald mich wieder aus euch und aus ihr Neu seliges Leben mich saugen!
C. Reinthaler sets stanzas 1, 8-9
About the headline (FAQ)
View text with all available footnotesConfirmed with Gedichte von Friedrich Rückert, Frankfurt am Main, Druck und Verlag von Johann David Sauerländer, 1841, pages 42-43.
Text Authorship:
- by Friedrich Rückert (1788 - 1866), "Gruß aus der Ferne" [author's text checked 1 time against a primary source]
Go to the general view
Research team for this page: Emily Ezust [Administrator] , Christoph Bendick [Guest Editor]
This text was added to the website: 2009-04-20
Line count: 70
Word count: 406