by Ernst Eckstein (1845 - 1900)
Das Märchen vom Glück
NOTE: the footnotes have been removed from this text; return to general view
Language: German (Deutsch)
Our translations: ENG
Sie sind allein, denn die Mutter kehrt Zu Nacht erst vom Felde zurück . . . . Durch's Fenster rauschet die Linde, -- Und die Alte erzählet dem Kinde Das sonnige Märchen vom Glück. Sie erzählt vom verwunschenen Königssohn Und der boshaft grollenden Fee; Vom Schloß am Felsenstrande, Vom wilden Wogengebrande, Und der Fischerhütte am See. Und der Prinz vertrauerte Jahr um Jahr Als Schlange im dumpfigen Grund . . . Er wand sich in glühenden Ketten, -- Ein Kuß nur konnte ihn retten, Ein Kuß von rosigem Mund. Des Fischer's liebliches Töchterlein Trug hohen, herrlichen Sinn. Sie sprengte die Ketten von Golde: Er aber machte die Holde Zu seiner Königin! Großmutter schweigt, und das Spinnrad schnurrt, Und das Mägdlein sitzt wie gebannt; Und es faltet die Hände im Schooße Und heftet das Auge, das große, Starr träumend an die Wand. Großmutter, wie schön, o wie einzig schön! Großmutter, o wäre das wahr! Großmutter, mir würde nicht bange -- Wie gerne umarmt' ich die Schlange, Trotz Schauer und Todesgefahr . . . ! Warum nur hat man das Alles erdacht, Wenn's nie sich auf Erden begab . . . ? Mir wird in der Seele so wehe, Wie in des Kirchhofs Nähe, Wie vor des Vaters Grab . . . ! Sei stark, Du zitterndes Kinderherz, Und dränge die Thränen zurück! Uns Alle hat es belogen, Uns Alle hat es betrogen, Das sonnige Märchen vom Glück.
J. Selmer sets stanzas 1-4, 6-8
Confirmed with Ernst Eckstein, In Moll und Dur, Leipzig: Verlag von Johann Friedrich Hartknoch, 1877, pages 95-97.
Text Authorship:
- by Ernst Eckstein (1845 - 1900), "Das Märchen vom Glück", appears in In Moll und Dur, in 2. Zweite Abtheilung [author's text checked 2 times against a primary source]
Go to the general view
Research team for this page: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Senior Associate Editor]
This text was added to the website: 2014-07-11
Line count: 40
Word count: 235