by Ludwig Hinterding (b. 1836)

Dornröschen
Language: German (Deutsch) 
Dornröschen sitzt am Waldessaum 
Und strählt die braunen Locken, 
Der Nordwind pfeift durch Busch und Baum; 
Dornröschen lauscht erschrocken.  

Das zieht so kalt durch Herz und Sinn 
Wie dumpfe Grabeslieder, 
Bang sinnend starrt es vor sich hin,  
Das Kinn gesenkt aufs Mieder:  

"Wie öd' der Wald und liebeleer!  
Kein Bienchen kommt zu nippen,  
Und auch kein bunter Falter mehr, 
Zu küssen meine Lippen!  

Dahin sind Jubel und Gesang, 
Fort all' die munt'ren Gäste!"  
Dornröschen seufzt und blickt gar bang 
Auf die entlaubten Äste.  

Und fröstelnd hüllt es tief sich ein, 
Schließt müd' die Augenlieder:  
"O Lenz voll Lieb' und Sonnenschein, 
Wann kehrst du endlich wieder?"  

Confirmed with Schatzkästlein westfälischer Dichtkunst, Minden: J. C. C. Bruns' Verlag, 1885. Page 250.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2017-05-30
Line count: 20
Word count: 105