by B. Eduard Schulz (1813 - 1842), as Eduard Ferrand

Wir standen vor einem Grabe
Language: German (Deutsch) 
Wir standen vor einem Grabe,
Umweht von Fliederduft;
Still mit den Gräsern des Hügels
Spielte die Abendluft.

Da sprach sie bang und leise:
"Wenn von der Welt ich schied,
Und kaum noch Angedenken
Noch lebt in deinem Lied;

Wenn du auf weiter Erde
Verlassen und einsam bist,
Und nur im Traum der Nächte
Mein Geist dich leise küßt:

Dann komm zu meinem Grabe,
Von Flieder und Rosen umlaubt,
Und neig' auf die kühlen Gräser
Das heiße, müde Haupt.

Ein Sträußchen duftiger Blumen
Bringst du wie sonst mir mit;
Mich weckt aus tiefem Schlummer
Dein lieber, bekannter Schritt.

Dann will ich mit dir flüstern
So heimlich und vertraut
Wie damals, wo wir innig
In's Aug' uns noch geschaut.

Und wer vorüber gehet,
Der denkt: es ist der Wind,
Der durch die Blüthen des Flieders
Hinsäuselt leis' und lind.

Und wie du lebst, das Kleinste
Berichten sollst du mir,
Und ich will dir erzählen,
Was ich geträumt von dir.

Wenn dann der Abend gekommen,
Und Stern an Stern erwacht,
Dann wünschen wir uns leise
Und heimlich: gute Nacht!

Du gehst getröstet nach Hause
Im Abenddämmerschein,
Und unter meinen Blumen
Schlaf' ich still wieder ein." 

About the headline (FAQ)

Confirmed with Fünfzig Jahre Deutscher Dichtung Mit biographisch-kritischen Einleitungen, herausgegeben von Adolf Stern, Zweite umgearbeitete und vermehrte Auflage, Leipzig, Verlag von Ed. Wartig, 1877, p. 336.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2014-12-04
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