An Hebe
Language: German (Deutsch) 
Hebe!  sieh', in sanfter Feier 
Ruht die schlummernde Natur; 
Aus azurnem Wolkenschleier 
Träufelt Stärkung auf die Flur. 
Sie schlummern schon alle, die holden 
Bewohner im Rosengesträuch; 
Dort sinkt sie, die Sonne, wie golden 
Sie malt sich im wallenden Teich. 

Ach, so sinkt auch bald vergebens 
Meiner Tage Licht hinab, 
So verhallt der Ton des Lebens 
Tief im schauerlichen Grab! 
Ich wandle, seit du mich verlassen, 
In Wildnissen, dunkel und dicht; 
Die rosigen Wangen erblassen 
Wie Lunens erbleichendes Licht.  

Eine Rose wollt' ich pflücken 
Einsam aufgeblüht am Bach, 
Dir das schöne Haar zu schmücken, 
Als ihr Dorn mich blutig stach. 
O gliche dies Bild meinen Tagen! 
Gern wollt' ich den blutigsten Stich 
Der neidenden Dornen ertragen, 
Sind nur alle Rosen für dich! 

Confirmed with Taschenbuch für alle Freunde der Geselligkeit, der Freude und des Gesangs, Memmingen: Christoph Müller'schen Buch- und Kunsthandlung, 1795, pages 63 - 64. The author is not given in this publication, but later publications included the author's name.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

Text added to the website: 2020-02-06 00:00:00
Last modified: 2020-02-06 18:21:44
Line count: 24
Word count: 121