by Feodor Franz Ludwig Löwe (1816 - 1890)

Frühlingslied
Language: German (Deutsch) 
Wie es grünst und blüht im Hag,
In den Lüften welch ein Leben!
Lerchenwirbel, Finkenschlag
Und ein lustig Schwalbenschweben.
Knospen hat ein jeder Strauch,
Blüthen jeder Baum genommen,
Sonnenschein und duft'ger Hauch  -- 
Frühling, Frühling ist gekommen. 

Lang gefesselt kühler Strom,
Ströme nur und rausche wieder! 
Halle nur vom alten Dom,
Festliches Geläute, nieder.
Hoch am Berge, tief im Thal
Will sich Alles neu bewegen,
Um der Gräber Kreuz und Mal
Selbst die bunten Kränze legen.

Schäume nur in trunk'ner Lust,
Dunkler Schachte Kind, o Quelle! 
Stürze an die Felsenbrust
Deine sagenfrische Welle!
Was nicht blühn und grünen mag,
Soll doch in der Sonne prangen;
Denn ein heller Freudentag
Sei für Alle aufgegangen! 

Frühlingswind, in freier Flucht
Will ich mit dir feldwärts streifen. 
Welche reiche Segensfrucht
Seh' ich aus den Keimen reifen!
Jede Scholle bricht und schon
Blickt der Halm aus ihrer Wunde;
Durch die Lüfte klingt ein Ton --
Eines neuen Bundes Kunde.

Wald, so lang mit Reif belegt,
Deine Sänger singen wieder;
Über deinen Wipfeln regt
Schon die Taube ihr Gefieder.
Noah's Botin, möchtest du
Doch ein duftig Ölblatt tragen
All' den kranken Herzen zu,
Die da tiefbekümmert schlagen!

Confirmed with Gedichte von Feodor Löwe, zweite vermehrte Auflage, Stuttgart: J. G. Cotta'scher Verlag, 1860. Appears in Vermischte Gedichte, pages 43 - 45 (not in Blätter der Liebe, as K. Eckert implies by including it in a collection titled "Aus den Blättern der Liebe".


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2018-09-07
Line count: 40
Word count: 189