by Julius Mosen (1803 - 1867)

Heimkehr
Language: German (Deutsch) 
Senne. 
Kennst du das Gebirge dort, 
Auf den Gipfeln Glanz und Schnee,
Weiße Schlösser stehen hoch, 
Unten wogt der grüne See? 

Wanderer. 
Meine Heimath kenn' ich wohl,
Habe mich gesehnt so sehr
Zu den Bergen himmelhoch,
Zu den stillen Thälern her. 

Senne.
Traurig bist du, Wandersmann? 
Lebt dir keine Freude hier,
Liebchen hold und blondgelockt,
Wahrend treue Liebe dir? 

Wanderer.
Kannte wohl vor langer Zeit 
Eine Blume weiß und roth,
Schmerzlich hab' ich sie geliebt,
Doch -- nun aber ist sie todt.

Mit den Elfen tanzet sie 
In der hellen Mondennacht,
Und ich ziehe traurig hin,
Meine Ruh' ist umgebracht. 

Senne.
Hast du einen Vater nicht, 
Der des Sohnes gern gedenkt,
Sich des Wand'rers innig freut,
Der die Schritte heimwärts lenkt? 

Wanderer. 
Über meines Vaters Bett 
Weht ein junger Tannenbaum,
Grüner Rasen deckt ihn zu, 
Schenke Gott ihm süßen Traum! 

Senne.
Hast du eine Mutter nicht, 
Die sich ihres Kindes freut, 
Heimlich und doch freudig hofft
Und dir fromme Thränen weiht? 

Wanderer.
Mutterauge wurde roth, 
Thränenfeucht die welke Hand,
Nun ich mit dem Harfenspiel'
Streiche bettelnd durch das Land.

Confirmed with Sämmtliche Werke von Julius Mosen, Erster Band, Oldenburg, Verlag von Ferdinand Schmidt, 1863, pages 182-184.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

  • by Ernst Sperling (1819 - 1871), as Ernst Streben, "Heimkehr", op. 4 (Lieder für eine Singstimme mit Pianoforte) no. 10, published 1841 [ voice and piano ], Berlin, Trautwein und Co. [sung text not yet checked]

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2020-03-18
Line count: 44
Word count: 178