by Robert Eduard Prutz (1816 - 1872)

Herz in Nöthen
Language: German (Deutsch) 
Liebes Herz, was willst du klagen,
Herz, was macht dir solche Noth?
Willst verzweifeln und verzagen,
Grämst und härmest dich zu Tod? 
Schau doch nur, die Quellen springen,
Duft'ge Blüthen überall!
Horch doch nur, die Lerche singen,
Und die holde Nachtigall!  -- 

Um mich schau' ich, mag' nicht schauen!
Denn ihr himmlische Angesicht,
Ihre Locken, ihre Brauen,
Ihre Augen schau' ich nicht.
Um ich horch' ich; doch die Worte,
Die ihr Mund einst stammelnd sprach, 
Sind verhallt an fernem Orte,
Und kein Echo tönt sie nach. 

Was soll mir der Blüthe Rosen 
Mir der Vögel muntres Lied,
Da der Liebe süße Rosen
Mir in Maienpracht geblüht?
Da in wundersel'ger Stunde,
Als mein Arm sie fest umschlang,
Als der Liebsten holdem Mund
Mir der Gruß der Liebe klang?

Keine Blüthe mag ich sehen,
Mag nicht hören Lerchenschlag;
In die Ferne will ich spähen,
Wiedersehen, süßer Tag!
Herz, der Himmel steht dir offen,   
Sei getrost und habe Muth!
Hohe Liebe lehrt dich hoffen,
Herz! es wird noch alles gut! 

Confirmed with Robert Prutz, Gedichte, zweite Auflage, Leipzig: Otto Wigand, 1844. Appears in 2. Lyrisches. Zweites Buch, pages 213 - 214.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2019-02-05
Line count: 32
Word count: 166