An ein Ideal
Language: German (Deutsch) 
Du süßes Bild, das mir mit Feurentzücken
Die Seele füllt,
Wann werd ich dich an meinen Busen drücken,
Du süßes Bild?

Wenn mich am Bach, beym Wehn der Pappelweide,
Der Schlaf umwallt,
Erscheinst du mir, im weißen Abendkleide,
Du Traumgestalt.

Und flatterst oft, in früher Morgenstunde,
Durch mein Gemach,
Und küßest mich, mit deinem rothen Munde,
Vom Schlummer wach.

Lang glaub ich noch den Herzenskuß zu fühlen,
Der mich entzückt,
Und mit dem Strauß an deiner Brust zu spielen,
Der mir genickt.

So gaukelt mir, in tausend Phantaseyen,
Der Tag dahin.
Bald seh ich dich, im Schatten grüner Mayen,
Als Schäferin.

Und flugs darauf, im kleinen Blumengarten,
Wie Eva schön,
Des Rosenbaums, des Nelkenstrauchs zu warten,
Am Beete gehn.

Erblick ich dich, die ich vom Himmel bitte,
Erblick ich dich,
So komm, so komm in meine Halmenhütte,
Und tröste mich.

Ich will ein Dach vom Rebenlaube wölben,
Dich zu erfreun,
Und deinen Weg mit rothen und mit gelben
Jesmin bestreun.

Ins Paradies, an deiner Brust, mich träumen,
Mein süßes Kind,
Und froher seyn, als unter Lebensbäumen
Die Engel sind.

Confirmed with Ludwig Christoph Heinrich Hölty's Sämtliche Werke kritisch und chronologisch herausgegeben von Wilhelm Michael, Erster Band, Weimar, Gesellschaft der Bibliophilen, 1914, pages 111-112; and with Leipziger Musenalmanach aufs Jahr 1776. Leipzig, im Schwickertschen Verlage, pages 235-236.

Note: This is one version of Hölty's poem; another manuscript with the title "Das Traumbild" differs in some verses and was published by Johann Heinrich Voß.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

    [ None yet in the database ]

Set in a modified version by Franz Peter Schubert.


Researcher for this text: Peter Rastl [Guest Editor]

This text was added to the website: 2017-06-17
Line count: 36
Word count: 179