by Karl Gottfried von Leitner (1800 - 1890)

Das Kloster
Language: German (Deutsch) 
Wo dort im Tale die Linden stehen,
Die Linden, so hoch und breit
Ist einsam und grau zu sehen
Ein Kloster aus alter Zeit.

Da weht aus Gängen und Hallen
Es einen gar kühlig an,
Gar kühl und schaurig vor allen
Vom Kirchlein nebenan.

Da spielt so lieblich die Sonne
Durchs Fenster rosig und blau,
Da liegt eine junge Nonne
Im schwarzen Sarge zur Schau.

Am Haupte den weißen Schleier,
Den Kranz von Rosmarin,
So lächelt in stiller Feier
Sie friedlich vor sich hin.

Ein schöner trauriger Ritter
Kniet außen am Schwellenstein,
Und breitet durchs Pfortengitter
Die Arme weinend hinein.

Er sieht sie verschließen und tragen
Ins Gruftgewölbe hinab,
Kann nicht einmal knieen und klagen
Und weinen auf ihrem Grab.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Malcolm Wren [Guest Editor]

This text was added to the website: 2017-08-02
Line count: 24
Word count: 120