by Friederike Brun (1765 - 1835)

Wenn vielleicht, nach wenig schnellen...
Language: German (Deutsch) 
Wenn vielleicht, nach wenig schnellen Tagen, 
Sanft meine Auge sich im Tode schließt, 
Und mein Geist, entfloh'n der Erde Plagen, 
Sich im Strom der Seligkeit ergießt  --  

Fließen werden dann der Liebe Thränen, 
Klagen wird die Freundschaft um das Grab, 
Das, nach manchem stillertragnen Sehnen, 
Mich dem Schooss der Muttererde gab!  

Und dein Blick, du liebendster der Gatten, 
Wird voll Wehmut schau'n auf's theure Pfand, 
Das, durch bittern Schmerz und dunkle Schatten, 
Seine Mutter an den Himmel band! 

Klage, Theurer!  Denn mit treuer Liebe 
Liebte deines Weibes Seele dich,  
Und die reinen unschuldvollen Triebe 
Sind auch dort noch Seligkeit für mich.  

Wenn den süßen Erstling unsrer Herzen 
Nie vorher gefühlte Sehnsucht quält, 
Und das Vorgefühl der Erdenschmerzen 
Sich dem jungen Geist zuerst vermählt;  

Wenn er sucht, und nicht die Mutter findet, 
Auch nicht findet in des Vaters Arm; 
Jammernd sich an deinem Busen windet  --  
Ach! Wer lindert deinen bittern Harm?  

Dann umschwebt in lauen Frühlingsdüften,  
Deines Friedchens treuer Schatten dich; 
Gießet sanft, aus hellen Himmelslüften, 
Hohen Trost herab für dich und mich --  

Und du fühlst des Himmels starken Frieden, 
Aus des Kummers Nacht schaust du hervor; 
Und aus tiefem Gram, der dich hienieden 
Fest ergriff, reißt sich dein Geist empor!  

Freudig führt, durch lichte Himmelsauen, 
Dich entzückt dein Weib zu Gottes Thron; 
Und voll Trost, Geliebter!  wirst du schauen, 
Meinen, ach!  zu leicht errungnen Lohn.

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Confirmed with Friederike Brun, Gedichte, ed. by Friedrich Matthisson, Zürich: Orell, Gessner, Füssli & Comp., 1795, pages 67 - 69.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2020-09-25
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