Weisen und lyrische Gesänge

by Friedrich Ludwig Æmelius Kunzen (1761 - 1817)

Word count: 3563

. Jaapt nit so sehr [sung text checked 1 time]

Jaapt nit so sehr,
Mien leev Kompeer,
Na de verwünschten Deerens;
Se laat fast all
So nett un drall,
Avsonderlich van fehrens!
Deels seet so fram un ehrbar ut;
Deels sünd so flink, as ene Brut,
Mit Ögeln un mit Straken
De Keerls verleewt to maken.

Merk zu de List!
Im Anfang ist´s 
Vül anners mit en Deeren,
As na de Tied,
Wenn se het friet;
Denn will de Droos regeeren!
Den eersten Morgen heet et: fix!
Nim du de Schört, giv mi de Büx!
Sünst jag ik ut de Plümen
Dü up den Hönerwiemern!

Doot Dog un Nacht
Ut aller Macht,
Wat se befählt un käkelt
Doch warter wat,
Bal düt bal dat,
Begnägelt un bekämelt!
Da murrt un gnurrt dat Murmuldeert;
Sie rümpt de Näs´, un dreit den Steert;
Ja vaken kriegt ji Knüffel
Mit ehrem spitzen Tüffel.

Drum gäwt Gehör,
Mien leew Kompeer!
Hööt ju voer solke Gäste,
Wo oft bedrügt
En rood Gesicht,
Brun Haar, un witte Böste!
Erst sünt se aller Framheit vull:
De Brutnacht makt se splitterdull,
Den armen Mann to brüden!
Dat mag de Kukuk lieden!

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Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Set by by Friedrich Ludwig Æmelius Kunzen (1761 - 1817), published 1788 [ voice and piano ], Flensburg und Leipzig, in der Kortensche Buchhandlung; confirmed with a CD booklet
Researcher for this text: Malcolm Wren [Guest Editor]

. Einladung zum Conzert [sung text not yet checked]

Getrieben von der grausen Reimsucht, 
Irrst du umher, und brummst voll Angst,
Gleichwie ein Bär, der Honigseim sucht,
Bis du den neuen Reim erlangst. 

Bald suchst du Hülfe bei dem Aga
Der Jungfern am Parnassusborn, 
Und bald hofierst du Deutschlands Braga 
Mit rauhem Auerochsenhorn.

Des Horns Gebrüll brüllt jetzt vom Harzwald
In's Wuthgeheul des Weserstroms,
Der schwarz, von Varus Blute schwarz wallt;
In's Angstgeheul der Hügel Roms.

Jetzt fei'rt Apollons goldne Tuba,
Kronions donnerrothe Faust,
Sein Blitzgespann mit wehnder Juba,
Vor dessen Huf der Fels zergraust.

Oft, statt Apollons, treibt dich Amor,
Daß du, ein Herold Cypria's,
Des jungen Herrn und seiner Dam' Ohr 
Sanft kitzelst durch sinnreichen Spaß.

Oft liedelst froh, mit Amorino,
Des Schmetterlings, des Steckenpferds,
Und singst zum Knabenviolino
Empfindsamkeit und gutes Herz.

Wann drauf zur Palmenhöhe Sions 
Du stolz im Cherubwagen trabst,
Und tief zum Heidenthum Kronions 
Hohnlachst in Demuth, gleich dem Papst;

Dann bitterst du dein Lied mit Wermuth, 
Und ächzest, wie vom Thurm der Kauz,
Wie Türk, dein Haushofhund, voll Schwermuth
Aufheult zum Mond mit hoher Schnauz'.

Warum doch marterst du und grillst dich? 
Der Ruhm, wonach du ringst, ist Luft,
Ist Seifenblase, steiget schwülstig, 
Schwimmt fort, und schimmert; und -- zerpufft. 

Was gehn dich Klopstock an und Lessing? 
Sei du für Dichtertand zu stolz! 
Der Musen Weisheit glänzt wie Messing;
Brotwissenschaft hat Werth des Golds! 

Wenn voll Begeistrung du gewaltsam 
Die Feder kaust, den Boden stampfst,
Die Augen drehst, und unaufhaltsam 
Aus offnem Schlund die Gluth verdampfst;

Und jetzt nach langer, langer Arbeit 
Ein Päan sich herausgewürgt, 
Der Trotz der ganzen Dichterschaar beut,
Dem schamroth Pindar selbst sich birgt:

Was hast du denn, als Kopf- und Bauchweh,
Und Aschgesicht und schwindelnd Hirn! 
Und ach! dein Herzchen thut dir auch weh,
Verschrumpft gleich einer welken Birn'!

Und glaubt man daß dein Witz von selbst reift, 
Wo nicht dir Muth Herr Urjan klatscht,
Sich nicht dein Leumund grün und gelb streift,
Durch Mummel und Popanz karbatscht! 

Mit schiefem Geifermaul umquackt dich
Das Froschgeschwätz der krit'schen Zunft, 
Und jeder kahle Hundsfott plackt dich 
Mit Schimpf und Lob voll Unvernunft.

Drum jage Vers und Reim zum Satan, 
Und hör', o Reimbold, statt des Raths 
Der falschen Muse, meinen Rath an; 
So lebst du frohe, als Horaz.

Zeuch aus den Flausrock deiner Drangsal,
Und putze dich, und eile flugs 
Dorthin, wo bald den hellen Klangsaal
Durchtönet Erz und Darm und Bux.

Dort geiget heut' der große Lolli.
Wem schwand nicht Unmuth schnell und Harm,
Der Ohren Lolli's Dur und Moll lieh? 
Ganz himmlisch klingt sein Fiedeldarm!

Ich hört' ihn gestern, wie entsetzlich
Sein Instrument mit zwanzig stritt;
Potz Donner, welch ein Lärm! Doch plötzlich
Ging's Solo: dudeldidel pft! 

Nur wähle dir zuvor ein Mägdlein,
Jung, leicht und rosig, wie der Lenz,
Und führe sie als Jungfernknechtlein 
Zum Sitz mit manchem Reverenz.

Wie Moskau's Pope vor Sankt Niklas,
Steh dann, und gaff' auf ihren Pelz;
Bei seiner Wallung wird kein Blick laß! 
Dich neigend, flüstr' auch: Wie gefällt's? 

Hat Lolli sein Koncert vollbracht, und 
Des Mädchens Herz erweicht wie Wachs;
Dann führe sie durch düstre Nacht, und 
Allein zurück, doch nicht zu stracks.

Man sagt, ein Mädchen sei kein' Eider,
Sie hege, gleich dem Jüngling, Feu'r; 
Nur schalkheitsvolle Heuchelei deck's:
Im Dunkeln sei ihr Kuß nicht theu'r.

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Set by by Friedrich Ludwig Æmelius Kunzen (1761 - 1817), published 1788 [ voice and piano ], Flensburg und Leipzig, in der Kortensche Buchhandlung ; note: this vocal setting begins with stanza 17

Confirmed with Sämmtliche poetische Werke von Johann Heinrich Voss, ed. by Abraham Voss, Leipzig, Immanuel Müller, 1835, pages 245-255.

Note: at the top of the poem, the following quotation appears:

   -- Non ego te meis
      Chartis inornatum sileri,
        Totve tuos paliar labores
   Impune, Lolli, carpere lividas
   Obliviones.
                  Horat. IV. Od. 9


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. Hochzeitslied, von zween Kindern gesungen [sung text not yet checked]

Sieh, Heinrich, sieh! da sizt die Braut
 . . . . . . . . . .

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Set by by Friedrich Ludwig Æmelius Kunzen (1761 - 1817), published 1788 [ voice and piano ], Flensburg und Leipzig, in der Kortensche Buchhandlung

. Frühlingslied eines gnädigen Fräuleins [sung text not yet checked]

Wie lange soll die Brunnenzeit
Der gnädgen Tante dauren?
Man muß in dieser Einsamkeit
Ja ganz und gar versauren!
Sie wird von Einfalt und Natur
Mich noch zur Närrin schwatzen!
Was schiert mich Hain und Quell und Flur,
Und andre solche Fratzen!

Des Abends hört man die Musik
Der Frösch, und Heimchen schallen,
Und das abscheuliche Gequiek
Der dummen Nachtigallen,
Von Mücken wird man dann gepurrt,
Und wälzet sich im Bette;
Der Haushahn kräht; der Hofhund knurrt,
Und bellt, und zerrt die Kette!

Und liegt man kaum im ersten Schlaf,
Da geht es an ein Tuten!
Da brüllt der Ochs! da blöckt das Schaf!
Da wiehern Hengst und Stuten!
Dann poltert Tante vor der Thür,
Fängt heiser an zu krähen:
Auf, Fräulein, auf! Du mußt mit mir
Der Sonnen Aufgang sehen!

Da giebts nicht Kaffee oder Thee,
Noch Butterbrod mit Braten;
Ganz nüchtern, und im Negligee,
Muß man den Thau durchwaten!
Zwo Stunden wenigstens muß ich
Durch Dorn und Diesteln rennen,
Und von der Sonnenhitze mich
Zur Mohrin lassen brennen!

Und läutet man Klock zwölf zu Tisch,
So giebts nur Gras und Kräuter,
Nur saure Milch, ein Stückchen Fisch,
Ein Eychen, und so weiter.
Der Grobian vom Sudelkoch
Weiß nichts von Leckerbißchen!
Zum Nachtisch kommt aufs höchste noch -
Ein Teller voll Radießchen.

Kein einzig Wörtchen hört man hier
Von Triktrak, Dam und Karten:
Zum Zeitvertreibe schlendern wir
Ein Weilchen in den Garten.
Hätt' ich nicht noch den Amadis,
Mich zu desennüyiren;
Ich müßte schier vor Ärgerniß
Und langer Weil krepiren!

Oft schleppen Ihre Gnaden gar
Mich zu der Baurkanaille,
Zu Kerls mit unfrisirtem Haar,
Und Menschen ohne Taille.
Besonders, wenn das Lumpenpack
An Feyertagen kegelt;
Da stinkt es von Swicenttaback!
Da wird was rechts geflegelt!

Und in der Kirche gar zu seyn,
Das ist nun ganz abscheulich!
Der Pfaffe predigt so gemein!
Das Volk thut da so heilig!
Was macht man da mit Stoff und Uhr,
Mit Schmink' und Demantringen?
Hans Hagel glaubt, man sey da nur
Zum Beten und zum Singen!

Vermaledeytes Einerley,
Wirst du denn ewig dauren?
O laß mich, lieber böser May,
Zurück zu jenen Mauren!
Ach seht doch, in der blauen Fern,
Wie schön der Rauch sich hebet!
Du liebe Stadt voll junger Herrn!
Ach wie das Herz mir bebet!

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. Bleich' am warmen Stral der Sonnen [sung text not yet checked]

Bleich' am warmen Strahl der Sonnen, 
Leinwand, die ich selbst gesponnen
  Von dem feinsten Knockenflachs. 
Dich besprengen Jungfernhände,
Daß dein Glanz die Augen blende,
  Weiß wie Schnee und Jungfernwachs.

Bald als Laken und als Bühren,
Sollst du mir das Brautbett zieren,
  Unter Mai'n und Rosenduft:
Denn Johannis hat mein Treuer 
Ausgesetzt zur Hochzeitfeier,
  Wenn der Kukuk nicht mehr ruft. 

Wer mich freit, ihr lieben Laken? 
Siegmund Franke, braun von Backen,
  Und so groß, so stark und brav! 
Er, der vorig's Jahr zum dritten 
Seinen Kranz herabgeritten,
  Und dies Jahr den Vogel traf! 

Zwang er nicht vier bärt'ge Werber?
Nehm' er Handgeld, oder sterb' er!
  Fluchten sie, und zogen gar.
Knapps! zerstückt lag Kling' an Klinge:
All der Hagel! welche Sprünge 
  That mein Leutnant und Husar! 

Unsers Schulzen zartes Hedchen,
Und das staatsche Kammermädchen 
  Thun am Kirmes so bequem,
Knixen, äugeln, händedrücken,
Um sein Herzchen zu berücken;
  Doch es heißt: Mamsellchen, hem! 

Bin denn ich von schlechterm Blute? 
Keiner sagt im ganzen Gute
  Hüfner Hanken Böses nach! 
Störche wittern Schimpf und Schande;
Und schon seit dem großen Brande
  Baut ein Storch auf unserm Dach.

Freilich geh' ich nie geschnüret,
Noch gepudert und frisiret;
  Dennoch lass' ich wohl mich sehn:
Wenn ich weißgekleidet tanze,
 Flink und roth, und unterm Kranze 
Mir die braunen Locken wehn.

Da sollt ihr ein Flüstern hören,
Durch die Stühl' und auf den Chören,
  Wann den Kanzelsprung' wir thun:
Siegmund, Sohn vom Müller Franke,
Mit der Jungfer Anna Hanke! 
  Wer was will, der spreche nun!

Spielmann, dinge mehr Gesellen, 
Daß uns hübsch die Ohren gellen,
  Wenn ihr fiedelt, harft und pfeift! 
Fangt nur früh an, euch zu üben:
Jeden Abend von Glock sieben,
  Bis die Frau zu Bette keift! 

Schickt euch brav auf Deutsch, Tirolisch,
Englisch, Menuet und Polisch,
  Um den lieben Frauentanz!
Wenn um mich die Weiber ringen,
O dann laßt die Fiedel klingen! 
  Dann ade, du Jungfernkranz! 

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Set by by Friedrich Ludwig Æmelius Kunzen (1761 - 1817), published 1788 [ voice and piano ], Flensburg und Leipzig, in der Kortensche Buchhandlung

Confirmed with Sämmtliche poetische Werke von Johann Heinrich Voss, ed. by Abraham Voss, Leipzig, Immanuel Müller, 1835, pages 70-71.


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. Heulied [sung text not yet checked]

Im blanken Hemde gehn 
Wir Bursche kühl, und mähn. 
Wie unsre Sense blinket, 
Rauscht hohes Gras, und sinket 
In Schwade, lang und schön.

Verbirg, o Wolkenkranz,
Die schwühle Sonne ganz,
Die flüchtig Thal und Hügel, 
Wie ein gewandter Spiegel,
Durchstrahlt mit irrem Glanz.

Doch regne nicht; denn traun! 
Fruchtschwanger blühn die Aun:
Dort ragt der Halm, und nicket;
Der braune Kohl dort blicket 
Krausköpfig über'n Zaun.

Drum, liebe Wolke, laß
In Ruh' ihr falbes Gras,
Mit Harken in den Händen
Die flinken Mägdlein wenden;
Und regne sie nicht naß.

Auf, Mäher, tummelt euch! 
Mäht vorwärts, gleich und gleich:
Was schärfst du dort die Sense,
Und spähest wilde Gänse 
Und Enten auf dem Teich?

Schau unsrer Mägdlein Schwarm,
Die mit entblößtem Arm 
Des trocknen Heues Wellen 
Gehäuft in Schober stellen, 
Von Sonn' und Arbeit warm.

Wer faul ist, Gras zu mähn,
Soll uns und ihnen schön 
Das Heu mit Gabelstangen 
Zur Bodenluke langen,
Und unsre Kurzweil sehn.

Nur noch den Winkel hier! 
Dann ruhen sie und wir
In süßem Duft am Schober,
Und leeren unserm Kober,
Und trinken kühles Bier.

Dicht ruhn wir und vertraut,
Juchhein und lachen laut; 
Der Rosenbusch und Flieder 
Wallt blühend auf uns nieder,
Die Grille zirpt im Kraut. 

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Set by by Friedrich Ludwig Æmelius Kunzen (1761 - 1817), published 1788 [ voice and piano ], Flensburg und Leipzig, in der Kortensche Buchhandlung

Confirmed with Sämmtliche poetische Werke von Johann Heinrich Voss, ed. by Abraham Voss, Leipzig, Immanuel Müller, 1835, pages 104-105.


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2. Kühlt, o schmeichelnde Lüfte, kühlt [sung text checked 1 time]

Kühlt, o schmeichelnde Lüfte, kühlt
[Sanft die]1 glühende Wange mir!
  [Ach die Glut des schönsten Traumes,]2
    Kühlt sie, schmeichelnde Lüfte!

Schwebtest, himmlische Freundin, du
Über mir mit dem Wonnetraum ?
  Dank' ich dir das holde Bildniß
    Meines trauten Selino?

O so liebst du, gewiß du liebst
Auch im himmlischen Rosenhain
  Einen Jüngling, liebst den Seraf
    Meines trauten Selino!

Aber feuriger liebst du [nicht
Ihn]3 im himmlischen Rosenhain,
  Als ich meinen Auserwählten,
    Meinen trauten Selino!

Sag', o Laube, wo einst er mir
Ach am klopfenden Herzen lag;
  Sag', o Beet, das unsere Küsse,
    Ach wie duftender feirte:

Hab' im Mond'- und im Abendglanz
Ich nicht Thränen genug geweint,
  [Seit wir uns im letzten Abschied]4
    Hier mit Schluchzen umarmet?

Fragt, Gespielen, o fragt mich nicht,
Bey dem fröhlichen Reihentanz,
  Nach der Bleiche meiner Wangen
    Und der heimlichen Zähre!

Mein Selino war roth und weiß,
Liebte Lachen und Spiel und Tanz;
  Bleich und stumm irrt nun Selino
    Fern auf einsamen Pfaden!

Kehre wieder, mein Bräutigam,
Kehre wieder in meinen Arm!
  Ach wie zittr' ich, dich zu küssen !
    Kehre wieder, Selino !

Sagen soll dir [das laute Herz,
Dir der zitternde Flammenkuß]5:
  Dein bin ich, bin deine Selma!
    Kehre wieder, Selino! 

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1 Kunzen: "Diese"
2 Kunzen: "Glüht sie nicht vom schönsten Traume?"
3 Kunzen: "ihn/ Nicht"
4 Kunzen: "Seit ich ihn zum letztenmale"
5 Kunzen: "mein Flammenkuß,/ Dir dies Zittern, dies laute Herz"

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3. Der Kuß [sung text checked 1 time]

Du Kleine, willst du gehen? 
  Du bist ein Kind! 
Wie wolltest du verstehen, 
  Was Küsse sind? 
Du warst vor wenig Wochen 
  Ein Knöspchen bloß;
Nun thut, kaum ausgebrochen,
   Das Röslein groß! 

Weil deine Wange röther
  Als Äpfel blüht,
Der Augen Blau wie Äther
  Im Frühling glüht;
Weil deinen Schleier hebet,
  Ich weiß nicht was,
Das auf und nieder bebet:
  Das meinst du, das?

Weil kraus wie Rebenringel 
  Dein Haupthaar wallt,
Und hell wie eine Klingel 
  Dein Stimmchen schallt;
Weil leicht, und wie gewehet,
  Ohn' Unterlaß 
Dein schlanker Wuchs sich drehet: 
  Das meinst du, das? 

Ich sahe voll Gedanken
  Durch junges Grün
In blauer Luft die blanken 
  Gewölkchen ziehn;
Da warfst du mich, du Bübin,
  Mit feuchtem Strauß,
Und flohst wie eine Diebin,
  In's Gartenhaus.

Nun sitz' und schrei' im Winkel,
  Und ungeküßt, 
Bis du den Mädchendünkel 
  Rein abgebüßt! 
Ach gar zu rührend bittet 
  Dein Lächeln mich! 
So komm, doch fein gesittet,
  Und sträube, dich.

Authorship

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Confirmed with Sämmtliche poetische Werke von Johann Heinrich Voss, ed. by Abraham Voss, Leipzig, Immanuel Müller, 1835, page 164.


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4. Der Landmann [sung text checked 1 time]

Ihr Städter sucht ihr Freude, 
So kommt auf's Land heraus.
Seht, Garten, Feld und Weide
Umgrünt hier jedes Haus.
Kein reicher Mann verbauet 
Uns Mond- und Sonnenschein;
Und Abends überschauet 
Man jedes Sternelein.

Wenn früh des Dorfes Wecker
Aus leichtem Schlaf uns kräht,
Durchjauchzt man rasch die Äcker 
Mit blankem Feldgeräth. 
Das Weib indeß treibt singend
Die Milchküh' aus dem Stall:
Laut folgen sie und springend 
Des [Horns bekanntem]1 Schall.

Wir sehn wie Gott den Segen 
Aus milden Händen streut: 
Wie Frühlingssonn' und Regen 
Uns Wald und Flur erneut; 
Uns blühn des Gartens Bäume;
Uns wallt das grüne Korn;
Uns schwärmt nach Honigseime 
Die Bien' um Blum' und Born.

Uns singt das Vöglein Lieder;
Uns rauscht die blaue Fluth; 
Uns schwirrt des Hofs Gefieder, 
Umpiept von junger Brut;
Uns blöken rings und brüllen 
Die Heerden durch die Au'n;
Uns tanzt das schlanke Füllen,
Und gaffet über'n Zaun.

Die Arbeit aber würzet 
Dem Landmann seine Kost,
Und Muth und Freude kürzet 
Die Müh' in Hitz' und Frost.
Sein Weib begrüßt ihn schmeichelnd,
Wann er vom Felde kehrt,
Und, seine Kindlein streichelnd,
Sich setzt am hellen Heerd.

Die Bursch' und Mägde strotzen 
Von Jugendreiz und Mark;
Ja selbst die Greise trotzen 
Dem Alter frisch und stark.
Und heißt der Tod uns wandern;
Wir gehn, wie über Feld,
Aus einer Welt zur andern 
Und schönern Gotteswelt.

Ihr armen Städter trauert 
Und kränkelt in der Stadt,
Die euch wie eingemauert
In dumpfe Kerker hat.
O wollt ihr Freude schauen;
So wandelt Hand in Hand,
Ihr Männer und ihr Frauen,
Und kommt zu uns auf's Land!

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Confirmed with Sämmtliche poetische Werke von Johann Heinrich Voss, ed. by Abraham Voss, Leipzig, Immanuel Müller, 1835, pages 166-167. Note: we have corrected a typo in line 4-5 ("blöcken" to "blöken") as later editions have done.

1 Kunzen: "Hirtenhornes"

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6. Lied im Schlaf zu singen [sung text checked 1 time]

Schlafe, süßer Knabe,
Mir am Busen ein.
Wohl mir, daß ich habe
Dich, mein Bübelein!
Unter diesem Herzen,
Bübchen, trug ich dich;
Hier an diesem Herzen,
Bübchen, säugt' ich dich.

Kühle Weste dringen
In den Busch hinein,
Kleine Vögel singen
Ihre Jungen ein.
Bübchen, es erschallet
Mein Gesang für dich;
Bübchen, es umwallet
Meine Locke dich.

In dem warmen Neste
Liegt das Vöglein weich,
In dem Schirm der Äste,
Unterm Blütenzweig.
Sanfter Schlummer labe
Dich in meinem Arm;
Ruhe, süßer Knabe,
Ruhe weich und warm.

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Poem headed by: "Nach der Rousseauschen Melodie: Que le jour me dure..

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9. Die Seligkeit der Liebenden [sung text checked 1 time]

[Wohl dreimal dem, der]1 die Geliebte findet, 
Die mit ihm hin durchs Leben schlüpft, 
Wo, Arm in Arm, sich Herz an Herz entzündet, 
Sich Seel' an Seele fester knüpft! 

Zum Goldpalast machst, Liebe, du die Hütte, 
Streust auf die Landschaft Tanz und Spiel, 
Enthüllest uns der Schickung leise Tritte, 
Gibst uns des Himmels Vorgefühl.  

Du machst das Herz der Schwermuth frühlingsheiter, 
Du bettest uns auf Rosenau'n, 
Und hebest uns auf eine Himmelsleiter, 
Ins Paradies hinein zu schaun. 

Schon hier sind Liebende zu bessern Zonen 
Auf Flügeln ihrer Lieb' erhöht, 
Empfahn schon hier des Himmels goldne Kronen, 
Eh' ihr Gewand von Staub verweht.  

Sanft hingeschmiegt auf seidne Frühlingsrasen, 
Auf Blumen eines Quellenrands, 
Verachten sie die bunten Seifenblasen 
Des liebeleeren Erdentands.  

Ein Druck der Hand, der Mark und Bein erschüttert, 
Ein Blick in seiner Trunkenheit, 
Ein Mehr als Kuß, was auf der Lippe zittert, 
Gibt ihnen diese Seligkeit. 

Ihr Traum sogar, ein Traum den Engel neiden, 
Küßt ihren Morgenschlummer wach. 
Ein Reihentanz von ewig jungen Freuden 
Schlingt an den Morgen ihren Tag. 

Gern kehrt für sie der Stern des Abends wieder, 
Die Morgenröthe gern für sie. 
Kein Endlicher mißt dieser Kette Glieder, 
Dem Liebe nicht das Maaß verlieh. 

Authorship

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Confirmed with Gerstenberg's Gedichte, von ihm selbst gesammelt, neueste Auflage, Wien: B. Ph. Bauer, 1817, pages 209 - 210. Note: This poem was inspired by Hölty's "Die Seligkeit der Liebenden".

1 Kunzen: "Beglückt, beglückt, wer"

Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

12. Auf dem Wasser zu singen [sung text checked 1 time]

Mitten im Schimmer der spiegelnden Wellen
Gleitet, wie Schwäne, der wankende Kahn;
Ach, auf der Freude sanftschimmernden Wellen
Gleitet die Seele dahin wie der Kahn;
Denn von dem Himmel herab auf die Wellen
Tanzet das Abendroth rund um den Kahn.

Ueber den Wipfeln des westlichen Haines
Winket uns freundlich der röthliche Schein;
Unter den Zweigen des östlichen Haines
Säuselt der Kalmus im röthlichen Schein;
Freude des Himmels und Ruhe des Haines
Athmet die Seel' im erröthenden Schein.

Ach, es entschwindet mit thauigem Flügel
Mir auf den wiegenden Wellen die Zeit.
Morgen [entschwinde]1 mit [schimmerndem]2 Flügel
Wieder wie gestern und heute die Zeit,
Bis ich auf höherem strahlenden Flügel
Selber entschwinde der wechselnden Zeit.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Op het water te zingen", copyright © 2005, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) (Geart van der Meer) , "Op het water te zingen", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Lynn Thompson) , "In the middle of the shimmer of the reflecting waves", copyright © 1997, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Shula Keller) , "To sing on the water", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • FRI Frisian (Geart van der Meer) , "Op it wetter te sjongen", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Da cantare sull'acqua", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • POR Portuguese (Português) (Paulo Albuquerque de Noronha) , copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte der Brüder Christian und Friedrich Leopold Grafen zu Stolberg. Erster Theil. Wien, 1821. Im Verlage bei J.B. Wallishausser. Hamburg, bei Perthes und Besser, pages 319-320; and with Musen Almanach für 1783 Herausgegeben von Voß und Goeking. Hamburg bei Carl Ernst Bohn, pages 168-169.

1 Schubert: "entschwindet"
2 Stolberg (1821 print): "schimmernden", apparently misprint

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

17. Mädchen sind wie der Wind [sung text checked 1 time]

Mädchen sind 
Wie der Wind, 
Schenken oft im Scherze, 
Heute mir, 
Morgen dir, 
Flatterhaft ihr Herze.  

[Denke]1 nicht, 
Diese spricht: 
Liebchen, dir zu dienen 
Schmeichelei, 
Heuchelei 
Lacht aus ihren Mienen. 

Wo sie gehn,  
[Oder]2 stehn, 
Wenn sie dich auch küssen, 
Werden sie 
Dort und hie 
Was zu tadeln wissen.  

Schön und rund 
Lockt ihr Mund 
Zwar mit süssem Schalle; 
Schlau verdeckt 
Aber steckt 
Doch im Herzen Galle.  

Authorship

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Confirmed with Der Greis, vierter Band, neue verbesserte Ausgabe, a weekly periodical published by Johann Samuel Patzke, Frankfurt am Main: Hermannschen Buchhandlung, 1785, page 470. Appears in "das 193. Stück: Dialog für Kinder."

1 Loewe: "Traue"
2 Loewe: "Wo sie"

Research team for this text: John H. Campbell , Melanie Trumbull

24. Spinnerlied [sung text checked 1 time]

Hurre, hurre, hurre!
Schnurre, Rädchen, schnurre!
Trille, Rädchen, lang und fein,
Trille fein ein Fädelein,
Mir zum Busenschleier.

Hurre, hurre, hurre!
Schnurre, Rädchen, schnurre!
Weber, webe zart und fein,
Webe fein das Schleierlein,
Mir zur Kirmeßfeier.

Hurre, hurre, hurre!
Schnurre, Rädchen, schnurre!
In und außen blank und rein,
Muß des Mädchens Busen sein,
Wohl deckt ihn der Schleier.

Hurre, hurre, hurre!
Schnurre, Rädchen, schnurre!
In und außen blank Und rein,
Fleißig, fromm und sittsam sein,
Locket wackre Freier.

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

26. Das Lied von Zinkler [sung text checked 1 time]

Herr [Zinklar]1 schiffte wohl über das Meer,   
Ließ lustig die Wimpelein wedeln. 
In Guldbrand's Bergen, da fiel sein Heer, 
Und büßte mit blutigen Schädeln. 

Herr [Zinklar]1 beschiffte das blaue Meer, 
Für schwedischen Sold zu kriegen, 
Nun, helfe dir Gott!  Denn wahrlich soll er 
Dem starken Normann erliegen. 

Der Mond in wallenden Wolken erblich; 
Die Wogen ertönten so leise.   
Vom Wasser erhub ein Meerweib sich, 
Und sang ihm traurige Weise. 

Kehr' um, kehr' um, du schottischer Mann! 
Es gilt dein zeitliches Glücke. 
Kömmst du gen Norrig, höre mich an! 
Nein, nimmermehr kömmst du zurücke.  

Du Hexe voll Gift, singst immerdar 
Den Schiffern vom schlimmen Geschichte. 
Ha, fang' ich dich einmal, so höre!  fürwahr 
Ich hau' dich in zappelnde Stücke.   

Er schiffte zwei Tage, er schiffte wohl drei 
Mit seinem gedungenen Heere.
Der vierte Morgen war nicht vorbei, 
Die Küste stieg auf aus dem Meere.  

Er steuert an Romsdals Ufer zu Land, 
Ließ Feuer und Schwerd es verkünden. 
An Vierzehnhundert bedeckten den Strand, 
Entschlossen zu blutigen Sünden.  

Sie sengten und brennten, wohin es nur ging; 
Sie kannten nich Hölle noch Himmel; 
Vergebens an ehernen Knieen hing 
Der Wittwen und Greise Gewimmel. 

Im säugenden Schoos lag's Kindlein todt. 
Wer achtet sein Lächeln so milde? 
Doch scholl von allen dem Jammer und Noth 
Die Mähr durch nahe Gefilde.   

Hoch lodern die Gipfel; die Zeitung rann 
Umher von Weiler zu Weiler.  
Schon rüsten die Bauern sich Mann vor Mann, 
Und trotzen wie zürnende Keuler.  

Die Soldaten sind aus im Heereszug; 
Wir müssen und selber beschützen. 
Der Memme Verderben und ewiger Fluch, 
Die zaudert ihr Blut zu versprützen! 

Rasch eilte von Våge und Lesson die Macht 
Mit blinkenden Äxten zusammen. 
Auf, Brüder!  Dem Schotten werden gebracht 
Die Hölle für sengende Flammen!  

Hart unter Lide, da schlingt sich ein Sieg, 
Der Kring benahmet von Allen. 
Der Langfluß strudelt vorüber den Weg. 
Da sollen die Feinde fallen. 

Wo weilt an Wänden die donnernde Wehr? 
Kein Schütze verfehlet dir heute. 
Wohl schwimmet der triefende Nükke daher, 
Und harret der blutigen Beute. 

Herrn [Zinklar]1 zu Ehren der erste Schuß! 
Er brüllte, und brüllte nicht lange. 
Da schrieen die Schotten im Angst-Erguß:  
Gott helf' uns aus diesem Drange! 

Fort, Bauern!  Fort, Normänner!  Fort! 
Sie schwimmen in eigenen Blute!  --  
Da wünscht sich der Schotte zum heimischen Ort; 
Ihm war nicht wohlig zu Muthe. 

Es drängten Leichen die schnellere Flut; 
Viel lag, die Raben zu nähren. 
Noch lange kostet der Jünglinge Blut 
Den schottischen Mägdlein Zähren.  

Auch kehrte nicht eine Seele zurück 
Gen Schottland Zeitung zu bringen. 
Ja, traun es ist euch ein mißliches Stück, 
Die Männer im Norden zu zwingen.  

Noch trotzt ein ehrendes Maal am Weg.  
Mags jeglichem Feinde dort grauen!  
Doch wohl dem Normann!  Er wandelt den Steg, 
Den Ruhm der Väter zu schauen. 

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Confirmed with Musen Almanach, ed. by Voss and Goeckingk, Hamburg: Carl Ernst Bohn, 1787, pages 187 - 191.

1 Kuznen: "Zinkler"

Researcher for this text: Melanie Trumbull

33. Thisbes Abschiedsgesang [sung text checked 1 time]

Du mußt mich, Lieber, mußt mich missen.   
Mein letzter Wunsch war, dich zu sehn, 
Eh' Gram und Trennung mich entrissen. 
Doch, ach!  kein Gott erhört mein Flehn. 

Dir zeigt die Zähre herber Trauer 
Die Liebe deiner Thisbe nicht.  
So nahe mir, birgt dich die Mauer, 
Die meine nasse Blicke bricht. 

Doch soll der Liebe Stimme dringen 
Zu dir:  kein Felsen hindert mich. 
Hör' noch einmal die Liebe singen, 
Zum letztenmahl:  ich liebe dich.  

Leb' wohl!  leb' wohl!  von dir getrennet, 
Verwein' ich Jahre voller Pein.  
Wär' doch die Freude mir vergönnet,  
Der Traum, du könntest glücklich sein. 

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Researcher for this text: Melanie Trumbull

36. Ein Veilchen auf der Wiese stand [sung text checked 1 time]

Ein Veilchen auf der Wiese stand,
Gebückt in sich und unbekannt;
Es war ein herzigs Veilchen.
[Da]1 kam [eine]2 junge Schäferin
Mit leichtem [Schritt]3 und muntrem Sinn
Daher, daher,
Die Wiese her, und sang.

Ach! denkt das Veilchen, wär ich nur
Die schönste Blume der Natur,
Ach, nur ein kleines Weilchen,
Bis mich das Liebchen abgepflückt
Und an dem Busen matt gedrückt!
Ach nur, ach nur
Ein Viertelstündchen lang!

Ach! aber ach! das Mädchen kam
Und nicht in Acht das Veilchen nahm,
[Ertrat]4 das arme Veilchen.
Es sank und starb und freut' sich noch:
Und sterb' ich denn, so sterb' ich doch
Durch sie, durch sie,
Zu ihren Füßen doch.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Het viooltje", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Walter Meyer) , "A violet stood upon the lea", copyright © 1996, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Leon Malinofsky) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "La violette", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) , "La violetta", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
  • NOR Norwegian (Bokmål) (Marianne Beate Kielland) , "Fiolen", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • SPA Spanish (Español) (Elisa Rapado) , "Una pequeña violeta vivía sobre la pradera", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • SPA Spanish (Español) (Elisa Rapado) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

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Note for Stanza 1, line 5: "muntrem" is often modernized to "munterm"

1 omitted by Štěpán.
2 Mozart: " ein' "
3 Medtner: "Tritt"
4 Kunzen: "Zertrat"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

41. Evas Erschaffung [sung text checked 1 time]

Da stand die schöne Welt;  es streute 
Der Himmel lächelnd seinen Glanz: 
Und was des Lebens sich erfreute, 
Erfreute sich der Liebe ganz. 
Nur er, nach Gottes Bilde schön, 
Sah sich als Fürst, doch einsam stehn. 

Gott sah es auch, vom Thron hernieder, 
Er winkt, und seht!  ein Schlummer fällt 
Sanft auf des Mannes Augenlider; 
Ihm stirbt die wonnevolle Welt. 
Doch wenn sie ihm aufs neue lacht, 
So sieht er mehr, denn ihre Pracht,  

Der jungen Morgenröthe Schwingen 
Umwehn verjüngend Land und Meer; 
Und Dankbarkeit und Freude singen
Den Gott der Liebe rund umher. 
Dann hob der Mann den Blick, und sah 
Die holde Männin sich so nah. 

Er fand in ihr sein Bild und küßte 
Den ersten unentweihten Kuß; 
Und stiller Dank gen Himmel süßte 
Den ersten liebevollen Gruß. 
Da ward ihm Licht und Leben süß,  
Und Eden ihm im Paradieß.

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Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull