Ich möchte nicht im Thal verderben
Language: German (Deutsch) 
Ich möchte nicht im Thal verderben, 
Den letzten Blick beengt von Zwang; 
Auf einem Berge möcht' ich sterben, 
Bei gold'nem Sonnenuntergang!  

Verschwimmend leis', wie Engel singen 
Vom Kloster her am stillen See, 
Der Glocken abendliches Klingen 
In Wonne lösend Erdenweh!  

Vor mir die Höhen roth erglühend 
Umweht von freier Luft Gebraus 
Und Alpenblumen mich umblühend 
Haucht' gern den letzten Hauch ich aus!  

Noch einmal lächend niederschauen 
Zum Erdenplane, lichtumstrahlt 
Auf frische frühlingsgrüne Auen, 
Auf gold'ne Saat und dunklen Wald. 

Noch mit dem letzten Athem saugen 
Den Blüthenduft, der aufwärts steigt, 
Der Sonne meine trüben Augen 
Die brechenden noch zugeneigt.  

Geröthet noch die blassen Wangen 
Von ihrem letzten Purpurschein, 
So schied' ich gern von Erdenprangen, 
So ging ich gern zur Heimath ein! 

Ich möchte nicht im Thal verderben, 
Den letzten Blick beengt von Zwang, 
Auf einem Berge möcht' ich sterben 
Bei gold'nem Sonnenuntergang! 

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Confirmed with Maximilian I., Kaiser Von Mexiko, Aus meinem Leben, siebenter Band, Leipzig: Duncker und Humblot, 1867, pages 359 - 360. Appears in Gedichte, in Vermischte Gedichte.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

  • by Leo Grill (1846 - 1919?), "Ich möchte nicht im Thal verderben", op. 4 (Neun Lieder für eine Singstimme mit Pianoforte) no. 8, published 1873 [ voice and piano ], Leipzig, Kistner; note: the publisher erroneously indicates the author of the text as 'H. Stilke', an illustrator  [sung text not yet checked]

Researcher for this text: Melanie Trumbull

Text added to the website: 2020-02-04 00:00:00
Last modified: 2020-02-04 13:50:33
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