by August Schnezler (1809 - 1853)

Das Auge der Nacht
Language: German (Deutsch) 
Fromm und treu in stiller Nacht
Über uns ein Auge wacht,
Blickt aus dunklem Himmelsblau,
Spiegelt sich im Abendthau;
Weinet durch des Kirchhofs Flieder
Auf die schwarzen Kreuze nieder.

Lächelt freundlich, hold und klar,
Auf ein zärtlich Liebespaar,
Sieht die Leiden und die Lust
In der tiefen Menschenbrust,
Lauscht durch einen Silberschleier
Eines armen Sängers Leier.

Und auf wen es niederschaut,
Wird es bald mit ihm vertraut,
Gleich als früg’ es liebend an:
„Hat dir Jemand weh gethan?
Deinen Schmerz mußt du mir klagen
Und ich helfe dir ihn tragen!“

Blitzt dann von der Alpen Schnee,
Tauchet in die weite See,
Strahlet dann mit frischem Glanz
Gaukelnd auf der Wellen Tanz,
Küßt durchs Fenster in das Stübchen
Meines Mädchens Wangengrübchen.

Auge, das dort droben wacht,
Holder Freund in stiller Nacht,
Der den Schlummer uns versüßt,
Trauter Mond, sey mir gegrüßt,
Allen Ruhenden hienieden
Gold’ne Träume, gold’nen Frieden!

Confirmed with Die Volkslieder der Deutschen. Eine vollständige Sammlung der vorzüglichen deutschen Volkslieder von der Mitte des fünfzehnten bis in die erste Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, herausgegeben und mit den nöthigen Bemerkungen und Hinweisungen versehen, wo die verschiedenen Lieder aufgefunden werden können, durch Friedrich Karl Freiherrn von Erlach, Fünfter Band, Mannheim, bei Heinrich Hoff. 1836, p. 420.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Bertram Kottmann

Text added to the website: 2019-09-01 00:00:00
Last modified: 2019-09-01 20:08:31
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