by Johann Heinrich Voss (1751 - 1826)

An Luther
Language: German (Deutsch) 
Entschwebe wie ein goldner Duft, 
Mann Gottes, deiner stillen Gruft,
Und schaudre Graun durch ihr Gebein,
Die deine stille Gruft entweihn! 

Matt kamst du, Sieger, aus der Schlacht
Mit Priestern in des Wahnes Nacht: 
Da labt' an Katharinens Brust 
Dich junge Kraft und Heldenlust.

Sie tränkte dich mit Rebentrank;
Und freudig tönte dein Gesang:
Den Papst und allen Teufeln Spott! 
Ein' feste Burg ist unser Gott! 

Da zischelt nun die Afterbrut:
Weh, Brüder, weh! wir sind sein Blut! 
Schleicht rücklings hin zu seiner Ruh', 
Und deckt des Vaters Blöße zu! 

Ihr Männer Deutschlands, kühn und frei
Durch ihn von Pfaffentyrannei! 
Ihr laßt mit lästerndem Gestöhn
Die Heuchler Luthers Asche schmähn?

Wer ist, der nicht beim Kraftgesang 
Des Weisen auf zu Thaten sprang,
Dem nicht die Seele sonnenhoch,
Ein Adler mit dem Adler flog?

Wem schafft nicht Gottes edler Wein 
Aus düsterm Nebel Sonnenschein,
Durchglüht mit Lebensgeist das Blut,
Und gibt zur Arbeit Kraft und Muth? 

Was labt den Frommen in der Zeit 
Mit Ahndung höhrer Seligkeit,
Als Mädchenblick und Mädchenkuß,
Des Weibes heiliger Genuß? 

Schweig, Gleißner, dich befrag' ich nicht! 
Dir bleibt dies ewig ein Gedicht, 
Wie dem, der Lastern Lieder zollt,
Dem Buhler und dem Trunkenbold! 

Doch jeder Christ und gute Mann 
Stimmt laut mit dir, o Vater, an:
Wer nicht liebt Weib, Wein und Gesang,
Der bleibt ein Narr sein Lebelang!

Confirmed with Sämmtliche poetische Werke von Johann Heinrich Voss, ed. by Abraham Voss, Leipzig, Immanuel Müller, 1835, page 159. Note: the last two lines of the last stanza are often attributed to Martin Luther. They have been set separately to music.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

Text added to the website: 2020-01-03 00:00:00
Last modified: 2020-01-03 12:39:10
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