Die Schätze der Tiefe
Language: German (Deutsch) 
Was birgst Du in den Grotten, in den Klüften,
Dumpf rauschende, geheimnißvolle Flut?
Den Perl- und Muschelglanz, der in den Grüften
vergeblich schön und unbeachtet ruht?
behalte Deine Schätze, traurig Meer!
    Wir fordern sie nicht mehr.

Doch mehr noch birgt der Grund; wer kann ihn nennen,
Den Reichtum, der durchblitzt der Tiefe Nacht,
Juwelen-Sternenschein und Goldes Brennen,
Zehntausend königlicher Schiffe Pracht?
Rausch' d'rüber hin, Du wilde zorn'ge Flut,
    Behalt', was drunten ruht!

Doch mehr noch birgt Dein Grund; Du rollst die Wogen
Ob den versunk'nen Städten ferner Zeit;
Sand hat der Vorwelt Schlösser überzogen,
Meergras die Hallen lauter Fröhlichkeit;
Verächtlich lass' die Wellen d'rüber zieh'n,
    Längst gab der Mensch sie hin.

Dein Grund birgt mehr! Die Du hinabgerissen,
Hochherz'ge, Tapf're, ruh'n an Deiner Brust;
Sie schreckt kein Rauschen auf vom Wogenkissen,
kein Schlachtendonner ruft zur Siegeslust.
behalte Gold und Edelsteine, Meer!
    Die Tapfern, gib sie her!

Gib die Verlor'nen uns zurück, gib Jene,
Auf die der Platz am Heerd schon harrt so lang;
Gib sie zurück, für die Gebet und Thräne
Die stille Nacht, des Festes Glanz durchdrang.
Halt' fest der Inseln Pracht, der Thürme Schein; —
    Doch Alles sei nicht Dein!

Die Frauenlieb' versank in Deiner Welle;
Du deckst mit Nacht manch edel männlich Haupt,
Der Schönheit Kron', der Jugend Lockenhelle,
Bis tönt der Ruf: — Gib her, was Du geraubt!
Ihr Edelstes verlangt die Erde, Meer!
    Sie fordert ihre Todten, gib sie her!

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Bertram Kottmann

This text was added to the website: 2020-01-29
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