by Hans Eschelbach (1868 - 1948)

Verklungen
Language: German (Deutsch) 
Kaum war der Lenz geboren
im stillen Waldesreich,
da jauchzten alle Sänger
und triumphierten gleich.
Und nur die Rebe dachte,
dass einst die Stunde schlüg',
da man den holden Knaben
betrübt zu Grabe trüg'.
Und wie sie also dachte,
und wie sie also sann,
da sah ich, wie hernieder
ihr eine Träne rann.

Nun naht des Lenzes Ende,
die Rose prangt in Glut,
so schenkt der Lenz der Erde
sein letztes Herzensblut.
Die Nachtigall voll Wehmut
hebt an den letzten Sang,
das ist ein lautes Weinen,
das ist kein Festesklang.
Sie klagt in bangen Tönen,
sie klagt und wird nicht müd',
sie singt in tiefstem Harme
des Lenzes Sterbelied.

Nun ist der Lenz gestorben,
verklungen und verblüht,
und nur in meiner Seele
hallt nach so manches Lied.
So manches Lied vom Lieben,
vom Auseinandergeh'n,
so manches vom Entsagen
und Nimmerwiederseh'n.
Nun ist der Lenz gestorben,
verklungen und verblüht,
und weinend sing' ich eben
sein letztes Abschiedslied.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Johann Winkler

This text was added to the website: 2020-05-08
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Word count: 156