Dann denk' ich dein
Language: German (Deutsch) 
Ich denke dein, wenn mich das erste Blau
des neugebor'nen Tages freudig grüßt,
in tausenfarb'gem Glanz auf frischer Au
der Silbertau die duft'ge Blume küsst.
Wenn auf die Fluren sich mit ros'gem Schein
das gold'ne Meer des Sonnenlichtes gießt,
dann denk' ich dein, dann denk' ich, Teure, dein!

Ich denke dein, wenn rauschend das Gewühl
des auferwachten Tages mich umgibt,
wenn treu im Kampfe für des Lebens Ziel
die Menschheit lärmend ihre Pflichten übt;
ob sel'ge Lust verklärt das Erdensein,
ob langes Leid die Lebenstage trübt,
dann denk' ich dein, zu allen Zeiten dein!

Ich denke dein, wenn auf die Bergeshöh'n
das Abendrot vergoldend niedersinkt,
und sehnend bei des Zephirs leisem Weh'n
das letzte Lied der Nachtigall erklingt,
und wenn des Mondes bleicher Silberschein
sich geisterhaft um alle Zweige schlingt,
dann denk' ich dein, dann denk' ich, Teure, dein!

Ich denke dein, wenn schweigend sich und still
die dunkle Nacht auf die Gefilde senkt,
bis sich das müde Auge schließen will,
und mich des Schlummers süße Nacht umfängt.
Dann schlummert auch die Liebe, meinst du? Nein!
Im Traume, der mein geistig Auge lenkt,
gedenk' ich dein, gedenk' ich liebend dein!

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Johann Winkler

This text was added to the website: 2020-11-05
Line count: 28
Word count: 190