by Heinrich Fitzau (1810 - 1859)

Der seltne Beter
Language: German (Deutsch) 
Zu Hall' auf offnem Markte stehn harrend greise Krieger,  
Die Stürmer von Torino, von Kesseldorf die Sieger. 
Der alte Schnurrbart reitet mit seinem Stab heran, 
Die Grenadiere schultern und präsentiren dann. 

Herab vom hohen Rosse schallt seine Donnerstimme; 
Es zucken seine Lippen vom schwerberbißnen Grimme: 
„Ihr habt den kühnsten Feinden den Schlachtentod gebracht; 
„Jetzt gilt's, dem Tode selber zu liefern eine Schlacht!”

Und durch die düstern Gassen geht's fort mit dumpfem Schweigen 
Die Straßen immer weiter, bis sich die Stunden neigen. 
Im Abendgolde glänzet zu Bärenburg das Schloß, 
Da hält der alte Schnurrbart mit seinem langen Troß. 

Man schultert, präsentiret die blinkenden Gewehre, 
Und jeder fragt wohl schweigend:  Wem gilt die hohe Ehre?  
Der Feldherr steigt vom Rosse, tritt in sein Schloß hinein.
Man sagt, er hätt' gezittert. Weiß nicht, wohl könnt' es sein.

Im Sterben liegt die Tochter, die er geliebt vor Allen,
Sie kann mit bleichen Lippen kaum noch „mein Vater!” lallen.
Sichtbar beweget faßt er die todeswelke Hand;
Dann hat er still und schweigend zum Garten sich gewandt.

An abgeschiednem Orte, wo ew'ge Lüfte beten,
Will mit gebeugten Knie' er vor Gott mit Bitten treten.
„Du alter Feldherr oben, der größ're Heere führt,
„Als ich in meinem Leben zusammen kommandirt,

„Viel Schufte kommen vor Dich mit feinem Rednerschwalle,
„Doch mein' ist nicht studiret mit schönen Klang und Falle;
„Du aber, Du verstehest, was Vaterherzen sind.
„Sobald komm' ich nicht wieder. -- Laß mir mein liebes Kind!”

Drauf schreitet er zum Schlosse, vom Glauben aufgerichtet. --
Die Tochter ist verschieden. -- Das hätt' ihn bald vernichtet. 
Er küßt die bleiche Lippe und spricht dann für sich hin: 
„Leb' wohl, und sag' der Mutter, daß ich verwais't nun bin!”

Man sagt, es sei ihm murmelnd noch dieses Wort entfahren: 
„Wär' Gott zu mir gekommen, wär' nicht so hart verfahren!”
Der Deßauer Marsch ertönt; sie schultern das Gewehr.  
Der Feldherr vor der Fronte hat nie gebetet mehr.

Confirmed with Borussia. Eine Sammlung deutscher Gedichte aus dem Gebiete der Geschichte Preußens, für Schule und Haus, erster Theil, zweiter Abschnitt, ed. by Joh. Aug. O. L. Lehmann, Marienwerder: Albert Baumann, 1843, pages 413 - 415. This edition has many notes, for which Melanie Trumbull provides translations below.

Notes: The subject of this text is Leopold I, Prince [Fuerst] of Anhalt-Dessau, Preussischer General-Feldmarschall, 1676 - 1747.

Stanza One:
"Hall' ": the Prince's Regiment was transferred to the city of Halle.
"Torino": victory in 1706 during the War of the Spanish Succession, also known as Queen Anne's War.
"Kesseldorf" : victory in 1745, second Silesian War, during the greater War of the Austrian Succession.

Stanza Five: 'Der alte Schnurrbart' had ten children, three of whom pre-deceased him. The dying daughter referenced here is Luise, Prinzessin von Anhalt-Dessau, her maiden-name distinction; when she married VERY young, she became Luise, Fürstin von Anhalt-Bernburg 1709 - 1732. She was twenty three years of age when she gave birth to a healthy daughter, Sophie Luise. But the birth was too much for the young mother, and she died several days after giving birth.

The prayer of Prince Leopold I is anecdotal, and has been quoted as follows:
"Herr, ich bin kein solcher Lump, der dir bei jeder Hundsvötterei 
mit Gebeten auf dem Halse liegt; 
ich will auch sobald nicht wieder kommen; 
aber, hilf mir nur diesmal und 
laß meine Tochter gesund werden!"  
(page 414, footnote number 6)

Translation:

"Lord!  I am not such a scoundrel to fling myself at you like a dog with idolatrous prayer. 
I won't come back and trouble you again anytime soon. 
But, help me just this once, and 
let my daughter get well!" 

The old man was broken-hearted when his Luise died, and would never again travel to the Baerenburg Castle: "I don't want to see that place again, where my Luise had to die."

Stanza Eight: "Farewell, and tell your Mother ..." : Prince Leopold I's wife, and mother of his children, died shortly before he did. However, the author took some poetic license and altered history to suit himself: the adult daughter was the first to die, and the wife/mother died years later.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

  • by Eduard Lassen (1830 - 1904), "Der seltne Beter", op. 61 (Sechs Lieder für 1 Singstimme mit Pianofortebegleitung) no. 2, published 1877 [ voice and piano ], Breslau, Hainauer [sung text not yet checked]

Settings in other languages, adaptations, or excerpts:

  • Also set in German (Deutsch), [adaptation] ; composed by Carl Loewe.

Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2020-12-14
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