by Heinrich Fitzau (1810 - 1859)

Der selt'ne Beter
Language: German (Deutsch) 
Available translation(s): ENG
Im Abendgolde glänzet zu Bärenburg das Schloß,
da hällt ein alter Schnurrbart mit seinem Kriegertroß.
Der Feldherr steigt vom Roße, tritt in sein Schloß hinein.
Man sagt, er hätt' gezittert. Weiß nicht, wohl könnt' es sein.

Im Sterben liegt die Tochter, die er geliebt vor Allen,
sie kann mit bleichen Lippen kaum
noch »mein Vater« lallen.
Sichtbar beweget faßt er die todeswelke Hand,
dann hat er still und schweigend zum Garten sich gewandt,

am abgeschiednen Orte, da will er einsam beten,
will mit gebeugten Knieen vor Gott, den Vater treten:
»Du alter Feldherr droben, der größ're Heer führt,
als ich in meinem Leben zusammen kommandiert,
viel Schufte kommen vor dich mit feinem Rednerschwalle,
doch mein' ist nicht studiert
mit schönen Klang und Falle.

Im Sturme von Torino, im Kesseldorfer Drange 
bin ich dir nicht gekommen, heut' ist mir gar zu bange;
du aber, du verstehest, was Vaterschmerzen sind,
komm' auch so bald nicht wieder!
Laß mir mein liebes Kind.«

Nun schreitet er zum Schloße, vom Glauben aufgerichtet.
Die Tochter ist verschieden, da steht er wie vernichtet!
Man sagt, es sei ihm murmelnd noch dieses Wort entfahren:
»wär' Gott zu mir gekommen, wär' nicht so hart verfahren.«

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Iain Sneddon) , "The Rare Prayer", copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

Text added to the website between May 1995 and September 2003.
Last modified: 2014-06-16 10:01:28
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