by Friedrich Rückert (1788 - 1866)

Das Wunder auf der Flucht
Language: German (Deutsch) 
Auf jener Flucht, von welcher nun
Das Morgenland die Jahre zählt,
Als im Gebirg' um auszuruhn,
Mohammed hat die Höhl' erwählt,
Wo Aububeker bei ihm war,
Und vor der Höhle die Gefahr,
Der feindlichen [Verfolger Schaar]1.

Mohammed sprach: »Was zitterst du?
Wir sind nicht zwei hier, wir sind drei!«
Da kam hernieder Gottesruh, 
Gefühl, daß Gott mit ihnen sei;
Sie fühlen [Friedensathem]2 weh'n;
Die Feinde vor der Höhle stehn,
Was [hindert sie, hereinzugehn]3?

Die Taube draußen auf dem Stein
Hat in der Nacht ihr Ei gelegt;
Die Spinne hat der Eingang fein 
Mit seidnem Vorhang überhegt.
Betrogen sieht's der Feind und spricht:
»[Das Ei ist ganz, das Netz ist dicht;]4
In dieser Höhle sind sie nicht.«

In dieser Höhle sind sie doch,
Die Feinde aber gehn vorbei.
Bei Spinn' und Taube ruh'n  sie noch,
Bis draußen sind die Wege frei,
Dann gehn sie hin wohl ausgeruht,
Und danken Gott für treue Hut,
Der groß im Kleinen, Wunder tut.

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Confirmed with Friedrich Rückert, Gesammelte Poetische Werke in zwölf Bänden: Dritter Band, ed. by David Sauerländer, Frankfurt am Main, J. D. Sauerländer's Verlag, 1868, pages 133-134.

Note: "Flucht" refers to Mohammed's flight from persecution from Mecca to the city later named Medina. See Hegira [Wikipedia].

1 Loewe: "Verfolgerschar"
2 Loewe: "Friedensodem"
3 Loewe: "hinderte sie, hineinzugehn
4 omitted by Loewe.

Authorship:

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull

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