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by Bernhard Scholz (1831 - 1871), as W. B. Scholz

König Wein
Language: German (Deutsch) 
I.
Wer ist König dieser Erde, 
Wer ist Fürst von hohem Preis? 
Dass ihm jetzt gehuldigt werde, 
Trete er in unsern Kreis.
Hohe Ahnen muss er sagen, 
Ihrer Thaten sich erfreu'n, 
Reiche Kronen soll er tragen 
Und gewaltig muss er sein.

Lasst das Denken, lasst das Klügeln, 
Das entscheidet sich geschwind: 
Auf des Rheines Sonnenhügeln 
Lächelt unser Königskind.
Hohe Thaten, hohe Siege 
Kündet er uns spät und früh, 
Sterne hüten seine Wiege 
Und der Rhein umbrauset sie.

Der beginnet stolz zu schäumen, 
Wenn er ihn gedeihen sieht, 
Singt von süßen Heldenträumen 
Ein gewaltig Wiegenlied.
Singt von finst'rer Taten Grauen, 
Von dem Nibelungengold;
Singt von hohen, süßen Brauen 
Und von süßem Minnesold.

Und in diesem heil'gen Walten 
Wächst der König hoch und hehr, 
Seines Mantels Purpurfalten 
Rauschen über Land und Meer. 
Und von hohen Felsenhallen 
Sehen wir den Herrscher nah'n, 
Und wir kommen, als Vasallen 
Uns're Lehen zu empfah'n.

II.
Der Himmel war trüb, die Stern' ohne Schein, 
Die Welt ward schwächer und schwächer, 
Da kamest Du, o herrlicher Wein, 
Ein Labsal für alle Zecher.
So golden wie ein feuriger Guss,
So süss wie ein lang' erflehter Kuss, 
So schäumest Du in die Becher!

Sei uns gegrüsst, sei hochverehrt, 
Du Held, vor Allen teuer!
Durchglüh' deines Volkes freies Schwert, 
Durchglühe die freie Leier!
Gib im Unglück uns Mut und Milde im Glück, 
Sei im Frieden ein wärmender Sonnenblick 
Und im Krieg ein prophetisches Feuer!

Sei uns gegrüsst, Du herrlicher Wein, 
Hilf segnen uns, hilf uns verdammen! 
Voll Glut lass den Kuss der Liebe sein 
Und voll Inbrunst des Zornes Flammen!
O segne Dein Volk, wenn das Glück es zerstreut, 
Doch wenn Gefahr ihm und Knechtschaft dräut, 
Dann ruf' es zu Taten zusammen!

III.
Nacht ist's an dem schönen Rheine, 
Nebel deckt den Gau und Ruh', 
Hoch auf dem Johannisberge 
Schloss man längst die Keller zu. 
Gold'ne Sterne glüh'n am Himmel, 
In den Fässern gold'ner Wein, 
Wein, wie er seit hundert Jahren 
Nicht gewachsen an dem Rhein.

Horch, die Nacht durchklagt es leise, 
Lang' eh' noch der Morgen graut; 
In den Kellern, an den Fässern 
Seufzt und stöhnt's wie Klagelaut. 
Mönche sitzen an den Fässern, 
Graberstand'ne bleiche Schaar; 
Mönche, denen süß der Wein einst 
Und das Beten sauer war.

Und sie schlagen an die Fässer, 
Ziehen Glas um Glas heraus, 
Und sie schlagen an die Brüste, 
Prüfen, trinken, rufen aus: 
„Ach, wir waren grosse Sünder, 
Das wird klar uns diese Nacht, 
Denn der Herr ließ uns nicht leben, 
Bis wir solchen Wein gemacht!“

Horch, das war der erste Hahnruf! 
Nehmet rasch den letzten Schluck, 
Und dann fort zu deinen Särgen, 
Weines - durst'ger Geisterspuk!
Tag wird's. In des Schlosses Keller 
Tritt der Vogt und prüft die Gluth — 
Leerer findet er die Fässer, 
Und er nennt die Gärung gut.

IV.
So schäume denn hinab, hinab, 
In deine feuchten Keller 
Und gäre auf und kläre ab 
Von Fass zu Fass dich heller! 
Du Heldenkind, Du Siegfriedswein, 
So stark, wie alte Sagen — 
Dein Gold wird nicht versenkt im Rhein, 
Dich trifft kein grimmer Hagen.

Nein, durch dein Volk mit Sang und Klang
Zieh' hin als Glutverweser, 
Stark wie Jehovah's Donnergang 
Und mild wie ein Erlöser. 
Und rausche in der Herzen Blut 
Und mach' sie schlagen dreister — 
Die Becher füll' mit Deiner Flut, 
Mit Deiner Glut die Geister!

Und deinem Volke, nah' und fern', 
Verkünd' mit deinem Feuer, 
Dass droben glüht ein deutscher Stern, 
Dem deutsche Erde teuer.
Ha, wie der junge Geist sich regt, 
Wie seine Flammen schlagen — 
Das Land, das solchen Wein noch trägt, 
Das wird auch Helden tragen!

Authorship:

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):


Researcher for this text: Johann Winkler

This text was added to the website: 2021-09-12
Line count: 113
Word count: 589