by Karl Wilhelm Ramler (1725 - 1798)

Die Verschwiegenheit
Language: German (Deutsch) 
Grabet, Schäfer, in die Rinde
eurer Mädchen Namen ein;
tief und ewig soll Philinde
in mein Herz gegraben sein.
Voll der süßesten Gefühle
sei mein Busen, doch mein Mund
mache nie beim Saitenspiele
ihren wahren Namen kund.

Reizender ist das Vergnügen
in der tiefsten Einsamkeit;
uns're Freuden sind verschwiegen,
ohne Zeugen, ohne Neid.
Selbst den Schwur, den wir geschworen,
flüsterten wir leis' am Bach;
Eifersucht hat tausend Ohren,
Schilf und Bäche plaudern nach.

Wo Philindens Herde weidet,
sieht man nie die meine geh'n;
bei den Mädchen unterscheidet
sie mein Auge kaum als schön.
Unverfärbt hör' ich sie nennen,
sorglos steh' ich, wann sie singt,
und ich schein' ihn nicht zu kennen,
ihren Hund, der auf mich springt.

Schäfer, lernt von feinen Seelen
kalte Worte, kalten Blick;
[nicht]1 die Seligkeit erzählen,
sie verschweigen, das ist Glück!
Immer, o Philinde, hülle
unser Bündnis sich in Nacht.
Liebe suchet nur die Stille,
weil sie glücklich ist und macht.

Unbedachtsam überfließet
stets der Tor von seiner Lust,
doch der Klügere verschließet
selbst den Wunsch in seiner Brust.
Rein und heiß sind meine Triebe;
ewig Teure, ich bin dein,
sage dir, dass ich dich liebe -
aber sag' es dir allein!

F. Freystädtler sets stanzas 1-2, 4-5

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Confirmed with Karl Wilhelm Ramlers Lyrische Blumenlese, Bd. 1, Karlsruhe, 1780.

1 Freystädtler: "nie"

Authorship:

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):


Researcher for this text: Johann Winkler

This text was added to the website: 2021-11-19
Line count: 40
Word count: 196