by Christoph Christian Sturm (1740 - 1786)

Gottes Allgegenwart
Language: German (Deutsch) 
Nie bist du, Höchster, von uns fern:
Du wirkst an allen Enden.
Wo ich nur bin, Herr aller Herrn,
bin ich in deinen Händen.
Durch dich nur leb und atme ich,
denn deine Rechte schützet mich.

Du weißt, was ich gedenke: Du,
du prüfest meine Seele.
Du siehst es, wenn ich Gutes tu;
du siehst es, wenn ich fehle.
Nichts, nichts kann deinem Aug entfliehn,
nichts deinen Händen mich entziehn.

Wenn ich in stiller Einsamkeit
mein Herz an dich ergebe
und fern von Welt und Eitelkeit
den Geist zu dir erhebe,
so merkst du gnädig auf mein Flehn
und lässt mich Trost und Freude sehn.

Du merkst es, wenn des Herzens Rat
verkehrte Wege wählet;
und bleibt auch eine böse Tat
vor Menschen hier verhehlet,
so weißt du sie und züchtigst mich
zu meiner Bessrung väterlich.

Du hörest meinen Seufzern zu,
dass Hülfe mir erscheine.
Voll Mitleid, Vater, zählest du
die Tränen, die ich weine.
Du siehst und wägest meinen Schmerz
und stärkst mit deinem Trost mein Herz.

O drück, Allgegenwärtiger,
dies tief in meine Seele:
dass wo ich bin nur dich, o Herr,
mein Herz zur Zuflucht wähle,
dass ich dein heilig Auge scheu
und dir zu dienen eifrig sei.

Lass überall gewissenhaft
nach deinem Wort mich handeln,
und stärke mich dann auch mit Kraft,
getrost vor dir zu wandeln!
Dass du, o Gott, stets um mich seist,
dies tröst und bessre meinen Geist!

Authorship:

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2022-02-22
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