by Heinrich Gottfried Zitzmann (1775 - 1839)

Das Blumenopfer
Language: German (Deutsch) 
Noch schmückten zarte Blüten
des Knaben weiches Haar,
und Stirn und Wangen glühten
mir, wenn ich einsam war.

Mich trieb ein leises Sehnen
hinaus ins Mondenlicht;
da flossen meine Tränen,
warum? das wußt' ich nicht.

Ich küsste die Kamille,
umschlang den Fliederbaum;
mich wiegte rings die Stille
in süßer Wehmut Traum.

Mir ward so schwer, so bange;
ich sah mich sehnend um,
und heißer ward die Wange,
doch wußt' ich nicht, warum?

Da trat zu mir ein Knabe,
so sanft, so hold und schön,
so lieb und freundlich habe
ich keinen mehr geseh'n:

"Mir ist von deinem Sehnen,
von deiner Wangen Brand
und allen diesen Tränen
die Ursach' wohl bekannt.

"Noch oft wird sich bekränzen
die neu erwachte Flur,
und immer wird dir glänzen
im Bild der Sehnsucht Spur.

"Noch oft wird dir es scheinen,
das traute Mondenlicht,
und immer wirst du weinen,
warum? das frage nicht!

"Doch laß die Jahre schwinden
und Tag' und Monden flieh'n,
einst wirst du Freuden finden,
wie sie in Eden blüh'n.

"Nimm diese Frühlingsblume,
ich habe sie geweiht
zu einem Heiligtume
für eine schön're Zeit.

"Und kennst du einst, o Wonne!
Ein Weib, wie Engel mild,
als deiner Tage Sonne
und deiner Träume Bild,

"Von Grazien gekleidet,
vom Musenchor belehrt,
von Weibern laut beneidet,
von Männern still verehrt,

"Die dir mit zarter Liebe
den Lebenskelch versüßt
und jedes kummertrübe
Gewölk vom Auge küßt,

"So gib an einem Tage,
der ihr geheiligt ist,
ihr diese Blum', und sage,
daß du nun glücklich bist."

Authorship:

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

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